VBE: Empfehlungen des 12. Kinder- und Jugendberichtes ernst nehmen!

"Der heute von der Bundesregierung vorgestellte 12. Kinder- und Jugendbericht zeigt noch einmal deutlich, wie weit Deutschland gegenüber anderen OECD-Staaten bei der Schaffung frühzeitiger und außerschulischer Bildungsangebote zurücksteht. Die Empfehlungen des Berichts geben aber grundsätzlich die richtigen Impulse für notwendige Reformen. Diese Empfehlungen dürfen keine Sprechblasen bleiben. Sie müssen jetzt in einem realistischen Stufenplan umgesetzt werden." Mit diesen Worten begrüßte Ludwig Eckinger, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), heute die Vorstellung des 12. Kinder- und Jugendberichtes in Berlin.

25.08.2005 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

Mit dem heutigen Bericht werde ein grundlegender Umdenkungsprozess in Gang gesetzt. Erstmals richte sich der Blick auf Bildungsprozesse vor und neben der Schule. Erstmals auch würden Bildung und Erziehung als eine wirkliche Einheit betrachtet. Als besonders positiv hob Eckinger hervor, dass Bildung und Erziehung nicht nur kognitiv, sondern kulturell und personal begriffen würden. Richtig sei es auch, Bildungsprozesse nicht als eine Sache von Institutionen, sondern vor allem im Hinblick auf die individuelle Entwicklung eines jeden einzelnen Kindes hin zu sehen. Der VBE fordere bereits seit längerem, wie jetzt auch im Bericht festgeschrieben, Bildung und Erziehung, die von Familie, Kindertagesstätte, Schule und außerschulischen Einrichtungen geleistet würden, als integrierte Bestandteile eines langfristigen individuellen Entwicklungsprozesses des einzelnen Kindes zu betrachten. Bildungsreformen dürften nicht bedeuten, dass der Schule allein alle Aufgaben von Bildung und Erziehung aufgebürdet würden, ohne sie gleichzeitig entsprechend auszustatten.

Eckinger sprach sich dafür aus, die Empfehlungen jetzt wirklich umzusetzen und nicht auf die lange Bank zu schieben. Auch die Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudien mahnten zu grundlegenden Reformen. Bildung müsse endlich vom 'Kopf auf die Füße' gestellt werden, der Schwerpunkt also mehr auf den Anfang von Bildungsprozessen gelegt werden. Dazu gehöre, dass der Besuch von Kindergärten zunächst zumindest im letzten Jahr gebührenfrei gestellt werde. In einem Stufenplan könne dann bis 2008 ein Rechtsanspruch auf Betreuung für Kinder zwischen 2 und 3 Jahren als Angebot verwirklicht werden, wenn die dafür notwendigen finanziellen Mittel in Höhe von 2,7 Milliarden Euro tatsächlich bereitgestellt würden. Doch auch systematische Bildungsgänge müssten früher beginnen. Das bedeute gleichzeitig, dass das Ausbildungsniveau der Erzieherinnen und Erzieher angehoben werde. Der VBE habe in den vergangenen Jahren bereits mehrfach auf notwendige Veränderungen bei der Schulsozialarbeit, bei der Gestaltung von Ganztagsschulen, bei der Elementarerziehung und bei der Integration von Bildung und Erziehung zu einem einheitlichen Bildungsprozess hingewiesen.


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