VBE: Schulabbrecher fallen nicht vom Himmel

"Wenn in der neuesten Studie der Bertelsmann-Stiftung festgestellt wird, dass bundesweit 19,4 Prozent der ausländischen Jugendlichen ohne Ab­schluss von den Schulen gehen, sollten bei den Politikern alle Alarmglocken schrillen", sagt Rudolf Karg, der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg. Es gehe jetzt nicht darum, Jagd auf Schuldige zu machen, sondern die Bedingungen an den Schulen so zu ver­ändern, dass die Zahl der Abbrecher deutlich reduziert werden könne, und zwar nicht durch ein Absenken des Niveaus an den Schulen, sondern durch eine erfolgreiche frühzeitige Förderung, denn Schulabbrecher fielen nicht plötzlich vom Himmel. Die Probleme tauchten in der Regel viel früher auf.

08.02.2008 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Karg forderte die Politik auf, die Bildung vom Kopf auf die Füße zu stellen. Nicht G8 sei das brennendste Problem, sondern wie man verhindern könne, dass Kinder bereits im Vorschulalter oder während der Grundschulzeit spüren müs­sen, dass sie den Anforderungen des Bildungssystem nicht genügen. Und da die Politik die Elternhäuser nicht per Erlass verändern könnte, müssen die Stell­schrauben in Kindergarten und Schule gedreht werden. Bildung sollte auf ein so­lides Fundament gestellt werden, so Karg. Dazu sei es notwendig, die Gruppen­größe in den Bildungseinrichtungen spürbar zu verringern, damit Schwache noch intensiver gefördert werden können. Schulunlust entstehe zum einen aus Verständnisschwierigkeiten und Perspektivlosigkeit, zum anderen auch, weil in manchem Elternhaus der Bildung ein zu geringer Stellenwert eingeräumt werde. Es sei richtig, bereits in den Kindergärten verstärkt mit der Elternarbeit zu be­ginnen. Schulisches Lernen müsse nicht nur in den Köpfen der Bildungsbürger, sondern gerade bei bildungsferneren Familien als sehr wichtig für die künftige Lebenssituation der jungen Menschen angesehen werden. Ärgerlich sei, dass die Notwendigkeit früher Unterstützungssysteme von keinem Politiker geleugnet werde, die Umsetzung jedoch an den viel zu knappen Haushaltsmitteln scheite­re. Wer wirklich etwas verändern wolle, müsse viel Geld in die Hand nehmen, so Karg. Zu viele Schulabbrecher könnten ganz schnell zu einem für die Gesell­schaft gefährlichen Pulverfass werden. Prävention sei schon immer vorteilhafter gewesen, als im Nachhinein Schadensbegrenzung betreiben zu müssen.


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