VBE: Werbende Worte allein bringen nicht mehr Männer in Kindertagesstätten und Grundschulen
Wenn Kultus- und Sozialministerium in einem gemeinsamen Brief an die Rektoren für mehr Männer an der "Erziehungsfront" in Grundschulen und Kindertagesstätten werben, sei das sicher bemerkenswert; mit schönen Worten allein lassen sich jedoch keine tiefergreifenden gesellschaftlichen Veränderungen herbeiführen, behauptet der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, Rudolf Karg aus Karlsruhe, zumal erst vor den Sommerferien gut ausgebildete junge Lehrer aus finanziellen Gründen vom Land abgewiesen worden sei.
31.08.2007 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergJungen gelten als die neuen Verlierer im Schulwesen. Sie sind überrepräsentiert bei den Sitzenbleibern und Schulabbrechern, bei den Sonderschülern und Schulschwänzern. Jungen lesen nicht nur schlechter als Mädchen, sondern mit deutlich weniger Begeisterung. Selbst beim Abitur bleiben die Jungen zahlenmäßig hinter den Mädchen zurück. Mütter von Jungen machen immer wieder die Erfahrung, dass ihre Söhne allein aufgrund des Geschlechts von manchen Lehrerinnen offen oder unterschwellig abgelehnt werden. "Zu laut, zu wild, zu störend, heißt es dann", klagen die Mütter. Männlichen Schülern werde mit Vorliebe vorgeworfen, dass sie die gewünschten Eigenschaften wie Angepasstheit, Ordnungssinn, Sauberkeit, Fleiß und emotionale Intelligenz vermissen ließen, womit Mädchen mit Vorliebe Pluspunkte bei Pädagoginnen sammeln.
Dem VBE liegt es fern, die qualifizierte Arbeit engagierter Lehrerinnen abzuwerten; es ist aber für die stabile, emotionale Entwicklung der Kinder in der Tat nicht von Vorteil, wenn sie im Kindergarten und in der Grundschule beinahe ausschließlich weibliche Bezugspersonen um sich haben und das männliche Element "als Gegenpart" Seltenheitswert besitzt. Bei Scheidungswaisen, die bei der Mutter bleiben, kommt noch der Vaterverlust hinzu, so dass diese Kinder über viele Jahre ausschließlich von Frauen erzogen werden. Kinder und Jugendliche aus eher patriarchalisch orientierten Kulturkreisen haben häufig Probleme damit, eine Erzieherin oder Lehrerin als "Respektsperson" anzuerkennen, die Weisungen erteilen darf, und rebellieren entsprechend. Selbst Vierjährige machen bisweilen schon erhebliche Schwierigkeiten und führen sich bei Frauen wie kleine "Paschas" auf.
"Für die Entwicklung der Kinder wäre es folglich daher gut, wenn die Zahl der Männer in den Kindertagesstätten und Grundschulen deutlich höher läge als derzeit", so der VBE-Vorsitzende. Diesen Mangel jedoch durch einen freundlichen Brief an 4000 Rektoren oder durch eine Männerquote beheben zu wollen, wie es der Jugendforscher Klaus Hurrelmann gefordert hatte, können wohl nicht grundlegend zur Beseitigung der erkannten Schieflage beitragen.
Der vergleichsweise geringe Verdienst und die kaum vorhandenen Aufstiegsmöglichkeiten sind nach Ansicht des VBE der Hauptgrund dafür, dass "Erzieher(in)" ein klassischer Frauenberuf geblieben ist. Als alleiniger Verdiener eine womöglich mehrköpfige Familie auf Dauer vom kargen Erzieher(innen)gehalt ernähren zu wollen, sei schon eine echte Herausforderung, betont der Verbandsvorsitzende. Deshalb haben Männer, die in Kindergärten oder Horten den Lebensunterhalt für die Familie verdienten, Seltenheitswert.
Abschreckend wirke auch, dass die Arbeit mit Kindern gesellschaftlich viel zu wenig Ansehen genieße und es Quoten lediglich zur Durchsetzung der Frauenförderung gebe, moniert der VBE-Chef. Wer mehr Männer als "Kindergärtner" oder Grundschullehrer gewinnen wolle, müsse für ein anderes Image des Berufsbildes sorgen und deutlich bessere Arbeitsbedingungen anbieten. Diese sollten eine spürbar höhere Besoldung und attraktive Aufstiegsmöglichkeiten beinhalten, wovon wiederum alle profitieren könnten.
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