Versprochen und gehalten: Landesregierung hat 5.500 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen
Neue Stichtagsregelung ermöglicht immer mehr fünfjährigen Kindern den Schulstart. / Nur noch halb so viele Kinder wie vor zehn Jahren von der Einschulung zurück gestellt.
07.09.2005 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergTrotz schwieriger Haushaltslage ist es der Landesregierung gelungen, in dieser Legislaturperiode insgesamt 5.500 zusätzliche Lehrerstellen zu schaffen. "Wir haben unser Versprechen ohne Wenn und Aber gehalten", erklärte Kultusministerin Dr. Annette Schavan bei der Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn am Mittwoch in Stuttgart. Kein anderes Land in Deutschland hat in fünf Jahren so viele zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer eingestellt wie Baden-Württemberg. Darüber hinaus wurden jährlich, wie auch in diesem Jahr, alle frei werden Stellen wieder besetzt.
"Das ist ein einzigartiger Kraftakt in die Bildung als Zukunftsinvestition Nummer Eins. Alleine mit den 5.500 zusätzlichen Stellen investiert das Land jährlich 275 Millionen Euro in die Zukunft der Kinder und Jugendlichen", sagte Schavan. Damit steigt die Gesamtzahl der Lehrerstellen von 2001 bis zum Schuljahr 2006/07 auf 90.485. Das ist ein Plus von 6,3 Prozent. Dem gegenüber wird sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler von 2001 bis 2006 lediglich um 2,3 Prozent auf 1,6 Millionen erhöht haben.
Mit 1.837 Neustellen ging der größte Teil in die Grund- und Hauptschulen, gefolgt von den Beruflichen Schulen mit 1.436 Stellen, den Gymnasien mit 1.372 Stellen, den Realschulen (615 Stellen) und den Sonderschulen (240 Stellen). Im Einzelnen wurden die Neustellen so eingesetzt: Jeweils 1250 Stellen für den Fremdsprachenunterricht an Grundschulen (und Sonderschulen) sowie für den Aufbau der fest installierten Vertretungsreserve, 1.411 Stellen für den Schülerzuwachs, 1.100 Stellen für das Vorgriffstundenmodell und 489 Stellen für die Einführung des achtjährigen Gymnasiums.
Im Jahr 2001 wurden 150 Stellen geschaffen, 2002 waren es 1.790 Stellen, 2003 insgesamt 1.230 Stellen, 2004 waren es 498 Stellen, in diesem Jahr kamen 845 Stellen dazu und für 2006 sind 987 Stellen im Haushalt verankert.
Im kommenden Jahr soll die Hälfte aller Einstellungen über schulbezogene Ausschreibungen erfolgen
Die Beteiligung der Schulen bei der Lehrereinstellung wurde in den vergangen Jahren schrittweise verstärkt. Im kommenden Jahr soll bereits die Hälfte der Einstellungen über schulbezogene Ausschreibungen stattfinden. Dazu wurde das EDV-Verfahren LOBW (Lehrereinstellung online Baden-Württemberg) eingeführt. Schulen können dabei ihre Ausschreibungen ins Internet stellen und Lehramtsbewerber können sich über Suchmodule ihre Wunschstellen heraussuchen. So können passgenau Lehrerinnen und Lehrer für bestimmte Schulprofile, für Engpassfächer und in Mangelregionen gefunden werden. Annette Schavan: "Die schulbezogene Einstellung und der flexible Einsatz des Reservefonds sind weitere Schritte hin zu einer eigenständigen Personalplanung und damit zur Stärkung der Eigenständigkeit der Schulen."
Zahl der Ganztagesschulen steigt auf 576
Im kommenden Schuljahr nehmen 24 weitere öffentliche Schulen mit besonderer pädagogischer und sozialer Aufgabenstellung (so genannte Brennpunktschulen) den Ganztagesbetrieb nach dem Landesprogramm auf, davon 18 Hauptschulen und je drei Grund- und Förderschulen. Damit steigt die Zahl der Ganztagesschulen in Baden-Württemberg auf 576. Im kommenden Schuljahr stellt das Land rund 600 Deputate für Ganztagesschulen zur Verfügung. Deutlich gestiegen ist die Zahl der Betreuungsangebote im Schuljahr 2004/2005 (neueste Zahlen). In der Verlässlichen Grundschule wurden knapp 52.000 Kinder betreut (Steigerung zum Vorjahr um 5,1 Prozent), an Schulhorten rund 14.000 Kinder (plus 8,5 Prozent), in der flexiblen Nachmittagsbetreuung rund 12.000 Schülerinnen und Schüler (plus 19 Prozent), für Betreuungsangebote sind im Haushalt 2005 insgesamt 31,5 Millionen Euro eingestellt, 2006 werden es 35 Millionen Euro sein.
Weiterer Ausbau der Konzeption "Schulanfang auf neuen Wegen": Mit dem kommenden Schuljahr tritt neue Stichtagsregelung in Kraft
Mit dem Schuljahr 2005/2006 greifen die etappenweise Stichtagsverlegung und die Stichtagsflexibilisierung für die Einschulung. Im neuen Schuljahr wird der Stichtag vom 30. Juni auf den 31. Juli verlegt, im Schuljahr darauf auf den 31. August und 2007/2008 auf den 30. September. Das bedeutet, dass Kinder, die zu dem Stichtag sechs Jahre alt werden, in diesem Jahr eingeschult werden. Darüber hinaus werden die Möglichkeiten zur vorzeitigen Einschulung ausgeweitet. Ein Kind, das beispielsweise zwischen dem 1. Oktober 2006 und dem 30. Juni 2007 sechs Jahre alt wird, kann schon im Herbst 2006 zur Schule gehen. Dadurch erhöht sich der Anteil der fünfjährigen Schülerinnen und Schüler erheblich.
Kultusministerin Schavan: "Wir dürfen kindliche Neugierde und Wissenslust nicht bremsen. Kinder wollen und sollen ihre Potenziale altersgerecht nutzen. Das war eines der Ziele des 'Schulanfangs auf neuen Wegen', den wir vor acht Jahren gestartet haben und der zu einem erfolgreichen Beispiel auch für andere Bundesländer wurde." Schavan hob hervor, dass die Zahl der von der Einschulung zurückgestellten Kinder von 10,4 Prozent im Jahr 1994 auf 5,4 Prozent im vergangenen Schuljahr halbiert wurde. Die Zahl der vorzeitig eingeschulten Kinder ist in diesem Zeitraum von 1,4 Prozent auf 12,3 Prozent gestiegen.
Positive Rückmeldung auf den Orientierungsplan für Kindertageseinrichtungen
Die Anhörung für den Orientierungsplan für Kindertageseinrichtungen in Baden-Württemberg läuft und endet am 14. September. Eine erste kurze und sehr positive Stellungnahme liegt bereits vom Grundschulverband (Mitglieder unter anderem Grundschulen, Hochschulen, Seminare, Lehrkräfte) vor. Das Interesse an der Probephase des Orientierungsplanes ist hoch. Bis heute haben 150 Kindergärten mitgeteilt, dass sie an der Pilotphase teilnehmen wollen. Mit dem neuen Kindergartenjahr startet die dreijährige Pilotphase. 30 Kindergärten werden dabei wissenschaftlich begleitet, dazu kommen die weiteren Pilotkindergärten, die mit den wissenschaftlich begleiteten eng vernetzt werden. Darüber hinaus kann jede Kindertageseinrichtung in Eigenregie mit dem Orientierungsplan arbeiten. Ab 2007/2008 kann der Orientierungsplan aufgrund der wissenschaftlichen Ergebnisse modifiziert werden, ab 2009/2010 wird er verbindlich werden.
Startphase der Selbstevaluation der Schulen gut angelaufen
"Die Schulen im Land sind bereit, die Qualität ihres Unterrichts selbstkritisch zu überprüfen", bilanzierte Ministerin Schavan die angelaufene Startphase der Selbstevaluation der Schulen. Mehr als 1.000 allgemein bildende Schulen aus Baden-Württemberg hatten sich im Frühjahr über Ziele und Verfahren der Selbstevaluation informiert. Seitdem verzeichnet der Landesbildungsserver rund 150.000 Zugriffe pro Monat auf das Angebot an Instrumenten und Handreichungen zur Selbstevaluation.
Gemeinsam mit dem Landesinstitut für Schulentwicklung (LS) hatte das Kultusministerium die Konzeption zur Selbstevaluation entwickelt. In einer freiwilligen Startphase sollen die Schulen die Konzeption erproben und Erfahrungen sammeln. Zentrale Bereiche werden dabei überprüft. Dies gilt für Unterrichtsergebnisse und Unterrichtsprozesse ebenso wie für die Schulführung, das Qualitätsmanagement oder das Schul- und Klassenklima. An einigen Schulen wird eine wissenschaftliche Begleitung stattfinden, deren Ergebnisse einer Weiterentwicklung der Konzeption dienen sollen. Rund 200 Schulen haben sich beworben. Die Vorbereitung für die Startphase der Fremdevaluation an den allgemein bildenden Schulen läuft derzeit. An den beruflichen Schulen startet die Fremdevaluation im neuen Schuljahr.
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