Weiterbildung: Kinder qualifiziert fördern
(bikl/idw) In Bremen können sich Erzieherinnen auf Hochschulniveau weiterbilden. Die Kooperation von verschiedenen Institutionen macht dies möglich.
09.11.2006 ArtikelErzieherinnen und Erzieher in Kindertageseinrichtungen sind heute mit ständig steigenden Anforderungen konfrontiert. Sie sollen neueste Erkenntnisse etwa aus der Entwicklungspsychologie berücksichtigen, die Lernfortschritte jedes einzelnen Kindes beobachten und dokumentieren und sich an Rahmenbildungsplänen orientieren. Sie sollen die sprachliche Entwicklung der Kinder fördern und sie für die Welt der Naturwissenschaft und der Mathematik begeistern. Und sie sollen Kinder auf eine kulturell vielfältige Gesellschaft vorbereiten und ihnen grundlegende Werte vermitteln.
Drei "Schwergewichte"
Damit sie diese Herausforderungen meistern können, benötigen Erzieherinnen, die mitten im Beruf stehen, ein umfassendes Weiterbildungsangebot auf Hochschulniveau. Mit der Universität Bremen, dem Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder der Bremischen Evangelischen Kirche und dem Universum Science Center Bremen bündeln drei "Schwergewichte" im Bereich der Frühkindlichen Bildung ihre Kompetenzen, damit Erzieherinnen und Erzieher die bestmögliche Weiterbildung erhalten.
Theorie und Praxis eng verzahnt
Eine Kooperationsvereinbarung der drei Institutionen ist heute von Professorin Ilse Helbrecht, Uni-Konrektorin für Lehre, Studium und Internationales, Ilse Wehrmann, Leiterin der evangelischen Kindertagesstätten in Bremen, und Dr. Martin Cepek, Universum-Geschäftsführer, unterzeichnet worden. Der Kontrakt ist die Grundlage für ein breit angelegtes Weiterbildungsprogramm auf Hochschulniveau, das - orientiert an den Rahmenbildungsplänen - Theorie und Praxis eng verzahnt. Wer sich gezielt zu einzelnen Themen weiterbilden will, kann aus einer breiten Palette an Ein- und Mehrtagesseminaren auswählen. Wer mehr in die Tiefe gehen will, zum Beispiel im Bereich "Frühkindliches Lernen", "Kommunikation und Sprache", "Natur, Technik, Mathematik" oder "Ethik, Religion und Spiritualität", entscheidet sich für das entsprechende Modul und erwirbt in 110 bzw. 180 Stunden vertiefte Kompetenzen. Und wer sich umfassend zur Frühpädagogin oder zum Frühpädagogen weiter qualifizieren will, kombiniert mehrere Module zu einem Weiterbildenden Studium.
Stärken bündeln
Eine umfangreiche Informationsbroschüre und eine gemeinsame Homepage informieren über die Einzelheiten des Weiterbildungsprogramms Frühkindliche Bildung. Das differenzierte Programm ist möglich, weil die drei Kooperationspartner ihre verschiedenen Stärken einbringen: Die Universität Bremen steuert aktuelle Forschungsergebnisse aus den Human- und Bildungswissenschaften bei. Zahlreiche praxisnahe Forschungsprojekte haben sich mit Fragen der frühkindlichen Bildung und dem Übergang vom Kindergarten in die Grundschule beschäftigt. In einem Bachelor-Studiengang werden Fachkräfte für Kindertageseinrichtungen ausgebildet. Das Zentrum für Weiterbildung blickt auf langjährige Erfahrungen in der Planung und Organisation berufsbegleitender wissenschaftlicher Weiterbildung in Seminaren, Kursen und Weiterbildenden Studiengängen zurück.
Der Landesverband evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder ist einer der größten Träger von Kindertageseinrichtungen in Bremen und bringt daher vielfältige Praxiserfahrungen ein. Über viele Jahre hat der Landesverband auch selbst Weiterbildung im frühpädagogischen Bereich angeboten. Der Landesverband kennt daher die Anforderungen, mit denen die Erzieherinnen täglich konfrontiert sind, aber auch die schwierigen Rahmenbedingungen ihrer Arbeit. Wissenschaftliche Phänomene aktiv mit allen Sinnen erleben, ist der Leitgedanke des Universum Science Centers. Das Universum stellt für das Weiterbildungsprogramm seine Experimentiermöglichkeiten und seine naturwissenschaftliche Fachkompetenz zur Verfügung. Forschendes und entdeckendes Lernen werden so konkret erfahrbar.
Deutscher Arbeitgeberpreis für Bildung
Der Ausgangspunkt für die enge Zusammenarbeit, die durch den Abschluss der Kooperationsvereinbarung weiter intensiviert wird, ist das Weiterbildende Studium Frühkindliche Bildung. Es ist erstmals 2004 angeboten worden und läuft gegenwärtig im zweiten Durchgang. Die Universität Bremen und der Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder haben dieses Angebot gemeinsam aus der Taufe gehoben. Mitarbeiter des Universum Science Center haben den Schwerpunkt "Natur, Technik, Mathematik" mit entwickelt. Mehr als 40 erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen sowie die Verleihung des Deutschen Arbeitgeberpreises für Bildung 2004 haben die Verantwortlichen darin bestärkt, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, die Zusammenarbeit zu erweitern und auch formal auf ein festes Fundament zu stellen.
Ziel: bundesweit
Die drei Partner haben sich viel vorgenommen: Das neue Weiterbildungsprogramm Frühkindliche Bildung richtet sich zwar vornehmlich an Erzieherinnen und Erzieher, aber auch andere Berufsgruppen des Arbeitsfelds Frühkindliche Bildung aus Bremen und der Region werden damit angesprochen. Interessierte aus ganz Norddeutschland und in der Zukunft vielleicht sogar aus der ganzen Republik sollen die Chance erhalten, sich umfassend auf Hochschulniveau weiterzubilden. Dank der neuen Kooperation hat Bremen das Potenzial, weiterhin eine Vorreiterrolle bei der Weiterbildung im Bereich Frühkindliche Bildung einzunehmen. "Weiterbildung made in Bremen" könnte schon bald dazu beitragen, den beruflichen Alltag von Erzieherinnen und Erzieher in Dortmund, Kassel oder Berlin zu erleichtern und die Qualität der frühkindlichen Bildung in den dortigen Kindertageseinrichtungen entscheidend zu verbessern.
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