Bachelor als akademischen Abschluss verteidigen!

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats wendet sich entschieden gegen den Beschluss der Wirtschaftsministerkonferenz in Eisenach vom 4./5. Juni, als neue Abschlussbezeichnung im dualen Berufsbildungssystem in Anlehnung an Hochschulgrade einen "Bachelor Professional" einzuführen. Professor Peter Strohschneider: "Der ´Bachelor Professional' erweckt den Eindruck, ein akademischer Abschluss zu sein, obwohl er das faktisch über-haupt nicht sein kann. Damit entwertet er die Abschlussbezeichnung insgesamt und stiftet Verwirrung. Das ist weder im Interesse der Auszubildenden noch ihrer potentiellen Arbeitgeber. Die Studierenden, die sich in den neuen Bachelor-Studiengängen befinden, müssen sich darauf verlassen können, dass der Bachelor als akademischer Titel geschützt bleibt."

08.06.2007 Pressemeldung Wissenschaftsrat

Die Argumente der Befürworter, mit dem "Bachelor Professional" begabte Absolventen des dualen Systems zu einer Weiterbildung bewegen zu können, überzeugten in keiner Weise. Strohschneider: "Selbst die Arbeitsgeberseite streitet darüber, ob es sich nur um Umetikettierung handelt. Da im europäischen Ausland solche Bachelor-Abschlüsse in der beruflichen Bildung unbekannt sind, wird auch das Ziel der internationalen Mobilität und Vergleichbarkeit nicht erreicht. Darum kann man eben so gut die bisherigen Bezeichnun-gen ´Meister' oder ´Fachwirt' beibehalten."

Professor Strohschneider erläutert: "Transparenz über die erworbenen Kompetenzen herzustellen und so Übergänge zwischen dualer und tertiärer Ausbildung zu erleichtern, ist ein lohnendes Ziel, dem wir über den Weg des Europäischen Qualifikationsrahmens noch in diesem Jahr einen Schritt näher kommen werden. Die bloße Behauptung der Gleichwertigkeit und Gleichrangigkeit eines Abschlusses durch einen Titel schafft hingegen keine Einsicht in die tatsächlich erworbenen Kompetenzen."

Das wirkliche Motiv für die Aktion, so vermutet der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, sei die zu Recht befürchtete Konkurrenz im Zuge der demographischen Entwicklung und des einsetzenden Fachkräftemangels. Der Zentralverband des deutschen Handwerks wolle angesichts der Internationalisierung der Studienabschlüsse ersichtlich durch eine Umbenennung der beruflichen Abschlüsse dafür sorgen, dass das duale Bildungssystem im Wettbewerb um leistungsstarke Schulabgänger in den nächsten Jahren nicht ins Hintertreffen gerate. Für ihn sei der "Bachelor Professional" daher nur eine "Übersetzungshilfe". Was der Vorstoß zumindest zeige: der Bachelor als neuer akademischer Abschlussgrad sei offenbar bereits attraktiv genug, dass er mimetische Mitnahmeeffekte erzeugt. Strohschneider: "Das ist erfreulich, ändert aber nichts daran, dass dieser Abschluss nicht der Beliebigkeit anheimfallen darf."

Ansprechpartner

Wissenschaftsrat

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden