Bildungsgewerkschaft zum Wissenschaftsrats-Vorschlag für "Professuren mit Lehrschwerpunkt"
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Hochschulen und Studierende mit Blick auf die vom Wissenschaftsrat (WR) vorgeschlagenen "Professuren mit Tätigkeitsschwerpunkt Lehre" davor gewarnt, einer "Mogelpackung" auf den Leim zu gehen. "Es ist richtig, den Stellenwert der Lehre an den Hochschulen und in der Hochschullehrerlaufbahn zu erhöhen. Hochschullehrerstellen in Lehrprofessuren umzuwidmen, löst das Problem mangelnder Ausbildungskapazitäten bei steigenden Studierendenzahlen jedoch allenfalls an der Oberfläche", sagte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne am Montag in Frankfurt am Main.
29.01.2007 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und WissenschaftDie Betreuungsrelation zwischen Lehrenden und Lernenden werde sich verschlechtern. In der Folge drohe, die Qualität von Studium und Lehre auf der Strecke zu bleiben: Denn gute Lehre setze die Verankerung der Lehrenden in der Forschung voraus. "Bund und Länder müssen jetzt für eine bedarfsgerechte Erhöhung der Ausgaben für Studium und Lehre sorgen, wenn nicht abermals ein Studierendenberg untertunnelt werden soll", unterstrich Thöne.
Gute Lehre zur Hauptaufgabe ausschließlich einer neuen Profession von "Lehrprofessoren" zu machen und damit in eine Nische abzuschieben, sei der falsche Weg. "Nicht nur 20 von 100, sondern alle Profs müssen sowohl im Labor als auch im Hörsaal fit sein – sonst entlässt man die Mehrheit der Professoren aus ihrer Lehrverantwortung", sagte Thöne. Wichtig sei, Strukturen zu verändern: Heute habe nur, wer Erfolge in der Forschung vorzuweisen hat, die besten Karrierechancen. Thöne schlug deshalb vor, die Wissenschaftsförderung weiter zu entwickeln und auch Erfolge in der Lehre zu belohnen. Etwa durch Gründung einer "Deutschen Lehrgemeinschaft", die wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft Drittmittelprojekte für exzellente und innovative Lehre vergibt.
Beim dringend erforderlichen Ausbau der Studienplätze dürfe Masse nicht vor Klasse gehen. Die Bundesrepublik brauche in Zukunft nicht nur deutlich mehr, sondern auch besser ausgebildete Akademikerinnen und Akademiker. Die GEW fordert eine Qualitätsoffensive für die Lehre – und zwar für alle Hochschullehrerinnen und –lehrer.
Info: Der Wissenschaftsrat hat die Einführung von "Professuren mit Tätigkeitsschwerpunkt Lehre" empfohlen. Bundesweit sollen künftig 20 Prozent der Profs ein erhöhtes Lehrdeputat erfüllen. Über spezielle "Juniorprofessuren mit Schwerpunkt Lehre" soll ein eigenständiger Qualifizierungsweg zu den neuen Professuren führen.
Keine Kommentare vorhanden