Bildungsgutschein als neues Finanzierungsmodell?

(bikl) „Nachfrageorientierte Hochschulfinanzierung“ ist der Titel eines Gutachtens, das die Credit Suisse und der Bundesverband der deutschen Industrie beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln in Auftrag gegebenen hatten und das jetzt veröffentlicht wurde. Darin wird ein 'Tuning'-Modell für die Hochschulen vorgestellt.

28.12.2006 Artikel

Teure „akademische Überstunden“

Anfangs der Studie wird resultiert, dass mit durchschnittlich zwei Semestern über der Regelstudienzeit an Fachhochschulen und drei Mehr-Semestern an Universitäten das Studium in Deutschland zu lang dauert und damit zu teuer ist. Die akademischen Überstunden seien einmalig kostspielig, so die Untersuchung: Deutschland weise mit die teuersten Hochschulabsolventen der OECD auf und gebe pro Absolvent rund 50 Prozent mehr aus als der OECD-Durchschnitt. Zudem würden durch den sogenannten Brain Drain Bundesländer mit überproportional hohem Studentenanteil benachteiligt, da Akademiker nach erfolgreichem Abschluss oft ihren Beruf in anderen Bundesländern ausübten.

Gebühr plus Gutschein

Dem Gutachten zufolge soll jeder Studienanfänger aus einem gemeinschaftlichen Fond der Bundesländer zehn Gutscheine für einen Studiengang erhalten. Pro Semester reicht er dann einen davon bei seiner Hochschule ein. Der Wert des Gutscheins soll 2.500 Euro pro Studienplatz und Jahr betragen. Die Studiengebühren bleiben bei diesem Modell auch weiterhin bestehen, sollen allerdings bundesweit vereinheitlicht werden. Das Zusammenspiel von Gebühr und Gutschein soll wie ein „doppelter Hebel“ Nachfrageimpulse stärken und effizientere Abläufe an den Unis schaffen. Zu zahlende Beiträge der Länder in den Fond errechnen sich nach der Zahl der im jeweiligen Bundesland lebenden Akademiker im berufsfähigen Alter. In der zweiten Stufe des IW-Modells könnten die Gutscheine auch für ein berufsbegleitendes Teilzeitstudium verwandt werden.

Mehr Geld für Länder mit hoher Studentenquote

Durch dieses Modell begünstigt würden Berlin, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hamburg, weil sie relativ viele Akademiker ausbilden. Mehr als ihre Hochschulen einnehmen müssten diejenigen Länder in den Gutscheintopf einzahlen, die relativ wenige hochqualifizierte Kräfte ausbilden – das sind Bayern, Brandenburg und Schleswig-Holstein.

Verringere sich durch das nachfrageorientierte Gutscheinkonzept die Studiendauer im Durchschnitt um nur ein Semester, so ergäben sich nach den Berechnungen des Instituts jährlich Wertschöpfungen von 3,9 Milliarden Euro und Steuermehreinnahmen von einer Milliarde. Mit diesen Beträgen, so die Schlussfolgerung der Wissenschaftler, „ließe sich im Bildungssystem noch so manches andere verbessern“.


Weiterführende Links

  • Gutachten „Nachfrageorientierte Hochschulfinanzierung“

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