Deutscher Hochschulverband fordert Umstellung des Akkreditierungsverfahrens
Der Deutsche Hochschulverband (DHV) plädiert dafür, das bisher übliche Verfahren der Akkreditierung von einzelnen Studiengängen angesichts des ungünstigen Verhältnisses von Aufwand und Nutzen aufzugeben.
21.03.2006 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)"Die bisher gemachten Erfahrungen, die durch die Akkreditierung von rund 1.500 Studiengängen gewonnen wurden, zeigen, dass sich das Verfahren der Akkreditierung in der gegenwärtig praktizierten Form nicht bewährt hat", erklärte der Präsident des DHV, der Kölner Rechtswissenschaftler Professor Dr. Bernhard Kempen. "Anstatt das Verfahren der Genehmigung neuer Studiengänge zu vereinfachen, hat die Akkreditierung der einzelnen Studienprogramme zu einem enormen personellen und finanziellen Mehraufwand für die Hochschulen geführt, der vor dem Hintergrund zurückgehender Ressourcen nicht zumutbar und sinnvoll erscheint. Überdies kollidiert die übermäßige Inanspruchnahme von Hochschullehrern als Gutachter in Akkreditierungsverfahren mit deren vornehmlichen Dienstaufgaben in Forschung und Lehre."
An die Stelle des bisherigen Verfahrens (der "Programmakkreditierung") soll die sogenannte "Prozessakkreditierung" treten. Unter diesem Begriff versteht der DHV die Akkreditierung eines umfassenden Qualitätssicherungssystems, das an den Hochschulen in maßgeblicher Verantwortung der Fakultäten eingerichtet und weiterentwickelt wird. Die Implementierung eines solchen Qualitätsmanagementsystems stelle im Bereich Lehre und Studium auf allen Ebenen der Hochschule sicher, dass Mindestqualitätsstandards eingehalten werden. An die Prozessakkreditierung seien somit im Ergebnis mindestens dieselben Anforderungen wie an die Einzelakkreditierung zu stellen.
Kempen: "Die Prozessakkreditierung bietet sich schon deswegen an, weil gerade bei der Einführung von Bachelor-/Masterstudiengängen in der Regel Rahmenbedingungen anzutreffen sind, die nicht nur einen einzelnen Studiengang, sondern eine größere Zahl von Studienangeboten betreffen. Dieses Verfahren setzt das Vertrauen in die Selbstüberprüfung der Hochschule an die Stelle permanenter Kontrolle von außen. Deshalb gehört die Prozessakkreditierung zu einem wettbewerblichen und autonomen Hochschulsystem. Dabei ist sicherzustellen, dass das Verfahren der Prozessakkreditierung für die Hochschulen einfacher und kostengünstiger als die Programmakkreditierung wird." Der DHV fordert die Landesgesetzgeber und die Kultusministerkonferenz auf, dieses vereinfachte Akkreditierungsverfahren so bald wie möglich zuzulassen.
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