Deutscher Hochschulverband für Kurskorrektur in der Forschungspolitik

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) will die Forschung wieder stärker an den Universitäten verankern. Bund und Länder sollen eine internationale Expertenkommission einsetzen, die dazu Vorschläge unterbreiten soll. Das bekräftigte DHV-Präsident Professor Dr. Bernhard Kempen anlässlich des 59. DHV-Tags in Düsseldorf, der unter dem Thema "Universität – Zentrum der Forschung?" stand.

31.03.2009 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)

"Die Auslagerung der hochqualifizierten, international wettbewerbsfähigen Forschung in Deutschland aus den Universitäten ist im internationalen Vergleich ein Sonderfall", erklärte Kempen. Universitäten dürften nicht nur auf die Rolle wissenschaftlicher Ausbildungsstätten für den Arbeitsmarkt reduziert, sondern müssten auch als Orte von Forschung und Innovation verstanden werden, an denen die Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolge. "Deutschland kann es sich nicht leisten, eine außeruniversitäre Forschung zu bezahlen, bei der die wissenschaftliche Lehre zu kurz kommt", erläuterte Kempen. "Die Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses muss in der Hand von Forschern liegen, die an der Universität lehren."

Eine vollständige Neuorganisation der gegenwärtigen Forschungslandschaft sei nicht nötig. "Außeruniversitäre Forschung und universitäre Forschung können enger miteinander verzahnt werden. Die Nachwuchsförderung in außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die personelle Verbindung außeruniversitärer Institutsdirektoren mit der Universität, der Einsatz von außeruniversitär betreuten Doktoranden in der universitären Lehre sowie die Herstellung von Verbünden aus universitärer und außeruniversitärer Forschung sind zukunftsweisend", betonte Kempen. "Kontraproduktiv bleiben jedoch Bestrebungen, exzellente Forschungsbereiche aus Universitäten in neue Strukturen überzuführen, da dadurch auch die universitäre Lehre geschwächt würde." Wer die Zusammenarbeit von Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen befördern wolle, müsse zudem den Universitäten die Promotion als Alleinstellungsmerkmal belassen. "Außeruniversitären Einrichtungen mit Promotionsrecht würde der Anreiz zur Kooperation fehlen. Ein Umfeld, in dem sich Forschung und Lehre durchdringen, können nur Universitäten bieten", hob Kempen hervor.

Bei der staatlich finanzierten Forschung muss nach Ansicht des DHV die Universität in Zukunft Vorrang erhalten. "Ressortforschung muss auf hoheitliche Aufgaben beschränkt bleiben", so Kempen. "Und neue außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sollten nur dann gegründet werden, wenn die Universität nicht dazu in der Lage ist, die vorgesehenen Aufgaben zu übernehmen."

- Der Deutsche Hochschulverband ist die bundesweite Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland mit über 24.000 Mitgliedern. -


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