"Die Universität muß für Studierende und Professoren attraktiver werden!"
Die Professorenverbände Österreichs, der Schweiz und Deutschlands haben die Hochschulpolitiker ihrer Länder dazu aufgefordert, die Attraktivität der Universität für Studierende und Professoren deutlich zu erhöhen. Im internationalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe unter Lehrenden und Lernenden dürften die Universitäten nicht dem Risiko ausgesetzt werden, ins Hintertreffen zu geraten, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung des österreichischen Universitätsprofessorenverbandes (UPV), der Vereinigung Schweizer Hochschuldozenten (VSHD) und des Deutschen Hochschulverbandes (DHV). Künftig sei – wie auch Vergleichszahlen der OECD deutlich machen – noch mehr in Wissenschaft und Forschung zu investieren als bisher, wenn man die selbstgesteckten hochschul- und wissenschaftspolitischen Ziele – wie etwa die Erhöhung der Absolventenquoten, die Umsetzung des Bologna-Prozesses – erreichen und im internationalen Wettbewerb bestehen wolle.
15.05.2006 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)In erster Linie, so das einmütige Ergebnis einer gemeinsamen Tagung der drei Verbände in Wien, seien die Rahmenbedingungen für das Studium erheblich zu verbessern. Ohne eine deutliche Erhöhung der Lehrkapazitäten seien die Universitäten nicht in der Lage, ihre Aufgaben in Forschung und Lehre in der gebotenen Weise zu erfüllen. Künftige Absolventen hätten den berechtigten Anspruch auf eine akademische Ausbildung von bester Qualität, unter anderem weil sie sich einem Arbeitsmarkt stellen müßten, der zunehmend einem globalen Wettbewerb ausgesetzt sei.
UPV, VSH und DHV mahnten zudem, bei der Verwirklichung der europäischen Ziele nicht die Lehrenden zu vergessen. Der angestrebte europäische Hochschulraum müsse die Mobilität der Professoren in gleicher Weise wie die der Studierenden erhöhen. Bestehende Mobilitätshindernisse wie etwa die Unterschiede im Versorgungsrecht oder bei den Altersgrenzen für eine Einstellung als Hochschullehrer seien zu beseitigen. Diese Hindernisse würden sich in der Berufungspraxis als empfindliche Störungen des grenzüberschreitenden Austausches erweisen. Ein erster Schritt zur Stärkung eines europäischen Berufungsmarktes sei die längst überfällige "Mitnahme" von erworbenen Pensions- und Rentenanwartschaften bei einer Berufung ins europäische Ausland. Aber auch insofern dürfe der Bologna-Prozeß nicht mißverstanden werden. Es gehe nicht um Einheitlichkeit, sondern um Kompatibilität unterschiedlicher Hochschul- und Beschäftigungssysteme.
Besorgt zeigten sich die Professorenvertreter über den zunehmenden Attraktivitätsverlust der Universität für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Die Diskrepanz zwischen zu erbringender Leistung und ihrer Honorierung, fehlende Stellen sowohl für Professoren als auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs sowie die Änderungen der Arbeitsbedingungen zu Lasten der Professoren und ihrer persönlichen sowie sachlichen Unabhängigkeit führten ebenso wie die oft nicht mehr wettbewerbsfähigen Ausstattungen in Forschung und Lehre dazu, daß der wissenschaftliche Nachwuchs seine berufliche Zukunft immer weniger am Arbeitsplatz Universität sehe.
Der Vorsitzende des Österreichischen
Universitätsprofessorenverbandes
Professor Dr. Wolfgang Zach
Universität Innsbruck
Innrain 52
A-6020 Innsbruck
Der Präsident der Vereinigung
Schweizerischer Hochschuldozenten
Professor Dr. Alexander von Zelewsky
Universität Fribourg
Chemin du Musée 9
CH-1700 Fribourg
Der Präsident des Deutschen
Hochschulverbandes
Professor Dr. Bernhard Kempen
Rheinallee 18
D-53173 Bonn
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