"Ehrliche Priorisierung" statt "verdeckter Rationierung"
Nach Einschätzung des Präsidenten der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, wird im deutschen Gesundheitswesen heimlich rationiert, weil nicht genügend Geld zur Verfügung steht, um allen Menschen die optimale Therapie zu verschaffen. Vor diesem Hintergrund stellt er sich hinter die umstrittene Forderung seines Amtsvorgängers, Jörg-Dietrich Hoppe, auch in Deutschland einen Diskurs über die Priorisierung medizinischer Behandlungen zu führen.
29.07.2011 Pressemeldung Deutscher Hochschulverband (DHV)Die ausdrückliche Festlegung einer Vorrangigkeit bestimmter Indikatoren, Patientengruppen oder Verfahren vor anderen sei, so Montgomery in einem Interview, das die Zeitschrift "Forschung & Lehre" in ihrer August-Ausgabe veröffentlicht, "die einzige Methode", die begrenzten Mittel in der Gesundheitsversorgung wirklich gerecht einzusetzen: "Jeder wird behandelt, jeder wird versorgt, in der Rangfolge der Dringlichkeit." "Ehrliche Priorisierung statt verdeckter und damit auch risikobeladener Rationierung", betont der Präsident der Bundesä rztekammer, sei das Gebotene und Notwendige.
In der Öffentlichkeit werde viel zu wenig wahrgenommen, dass steigende Kosten im Gesundheitswesen nicht durch Honorarzuwächse bei Ärzten, sondern durch zusätzliche Leistungen, medizinischen Fortschritt und demographischen Wandel entstünden. "Wir haben also eine Leistungs- und mitnichten eine Kostenexplosion", so Montgomery.
Die Kriterien für eine Priorisierung und den dazu notwendigen Konsens sollte seinen Vorstellungen zufolge ein Gesundheitsbeirat erarbeiten, in dem Ärzte, Ethiker, Juristen, Gesundheitsökonomen, Theologen, Sozialwissenschaftler und Patientenvertreter gemeinsam Empfehlungen zur Vorrangigkeit medizinischer Behandlungen entwickeln. "Die Letztentscheidung aber muss politisch verantwortet werden, denn nur dann gibt es die entsprechende Legitimation in unserer Demokratie", so Montgomery.
Schwerpunkt: Priorisierung in der Medizin
Bettina Schöne-Seifert: Ethisch vertretbar?
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Zur Transparenz von VerteilungsentscheidungenWeitere Beiträge:
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