Einzigartig in Europa: Neues Verfahren ermöglicht Messung der Hirnaktivitäten Ungeborener in Tübingen

Das Universitätsklinikum Tübingen erhält als erste medizinische Einrichtung in Europa einen Magnetoenzephalographen und weitere Fördergelder zur Messung der Hirnaktivität von Ungeborenen.

13.05.2005 Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Die Untersuchungen sollen Auskunft geben über die vorgeburtliche Wahrnehmungsfähigkeit, Lernfähigkeit und Sprachentwicklung. Die Einrichtungskosten belaufen sich auf rund 1,7 Mio. Euro. Finanziert wird das medizinische Großgerät vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und vom Universitätsklinikum Tübingen. Die Installation soll Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein. "Mit den geplanten Untersuchungen wird weltweit Neuland betreten", erklärte Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg am 13. Mai in Stuttgart. "Das neuartige Verfahren der fetalen Magnetoenzephalographie eröffnet völlig neue Erkenntnismöglichkeiten in der Gehirn- und Entwicklungsforschung. Die großzügige Förderung durch die DFG und das Land beweist erneut die Exzellenz der Universitätsmedizin in Tübingen."

Die Magnetenzephalographie ist die einzige Methode, mit der sich die Hirnaktivität von Feten gefahrlos messen lässt. Bislang erprobt ist das Verfahren bei Erwachsenen und Kindern. Bei Ungeborenen wird diese Messmethode bislang nur an einem Standort in den USA angewandt. Tübinger Wissenschaftler waren bereits an der Entwicklung und Erprobung des fetalen Magnetenzephalographiesystems in den USA beteiligt. In Tübingen sollen jetzt weltweit erstmalig grundlagenwissenschaftliche und klinisch-experimentelle Forschungen zur Hirnentwicklung Ungeborener durchgeführt werden. Die Wissenschaftsgemeinschaft erhofft sich von diesen Forschungen bahnbrechend neue Erkenntnisse. Federführend betreut wird das Projekt von dem Leibnizpreisträger Prof. Dr. Niels Birbaumer, Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen.

"Da es bis heute nicht möglich ist, das menschliche Gehirn Ungeborener ohne gefährdende Eingriffe näher zu erforschen, wissen wir bislang wenig über dessen Leistungsfähigkeit und Störungen. Gerade die Wochen vor der Geburt sind aber ausschlaggebend für die spätere Entwicklung des Menschen. Die neue Methode zur Messung der Gehirntätigkeit ist daher von großer forschungspolitischer wie auch gesundheitspolitischer Bedeutung", erläuterte Frankenberg. "Der große Vorteil der Magnetenzephalographie besteht darin, dass sie für die Mutter und das Ungeborene völlig ungefährlich ist. In näherer Zukunft wird es für diese Untersuchung wohl keine vergleichbare Alternative geben." Auf neuropsychologischer Seite werde die Entstehung von Sprache im vorgeburtlichen Gehirn sowie die Lernfähigkeit und das Gedächtnis von gesunden und kranken Feten erforscht. Dazu kommen Untersuchungen zur akustischen, taktilen und visuellen Wahrnehmungsfähigkeit des gesunden und kranken Ungeborenen.


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