Europaweit die Lesekompetenz fördern
(bikl/idw) Die PISA-Studie 2000 hat gezeigt, dass in vielen europäischen und außereuropäischen Ländern bis zu 25 Prozent der Jugendlichen den elementaren Anforderungen an eine für das Berufsleben notwendige Lesekompetenz nicht gewachsen sind. Das Projekt ADORE der Leuphana Universität Lüneburg will jetzt Leseforscher und Lehrende im Bereich der "adoleszenten Leseschwäche" europaweit vernetzen und Beispiele guter Leseförderung dokumentieren.
29.03.2007 ArtikelDer Projektname ADORE beruht auf dem englischen Terminus für "leseschwache Jugendliche", "struggling adolescent readers". Im Rahmen des EU-Sokrates-Programms soll außerdem ein Überblick zur "Europäischen Leseförderung von jugendlichen Risikogruppen" erarbeitet werden.
Hier setzt das Projekt der Lüneburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an: Es erkundet, welche Maßnahmen die beteiligten Länder eingeleitet haben, um die Lesekompetenz besonders leseferner Jugendlicher zu erhöhen. Dazu werden sich internationale Forscher-Teams gegenseitig besuchen und in verschiedenen Schulen Beispiele besonders guter Leseförderpraxis aus der Nähe betrachten. Swantje Weinhold: "Solche Schulen und Klassen auch in der näheren und weiteren Umgebung Lüneburgs zu finden, wird die Aufgabe der nächsten Monate sein."
Parallel zu dieser praxisorientierten Recherche findet im Gesamtprojekt ein intensiver theoretisch-wissenschaftlicher Austausch statt. Dabei geht es um Fragen wie "Was verstehen die beteiligten Länder unter 'Lesekompetenz'?", "Welche nationalen Erkenntnisse liegen dazu vor?", "Welche Rahmenbedingungen für guten Leseunterricht sind durch die jeweiligen Bildungssysteme und nationalen Curricula gegeben?" und vor allem: "Was können die beteiligten Länder voneinander lernen?".
Anfang März trafen sich in Aquila, der Hauptstadt der Abruzzen, zwölf europäische Partner zur ersten internationalen Tagung von "ADORE", um in die inhaltliche Diskussion einzusteigen. Doch ganz so einfach ist das nicht: "Schwierig macht die inhaltliche Arbeit unter anderem die Tatsache, dass es in den einzelnen Ländern unterschiedliche Bildungstraditionen und Forschungsstände in Sachen Lesekompetenz gibt", sagt Projekt-Mitinitiator Dr. Karl Holle.
Unterschiedliche Voraussetzungen
"Unsere Zielgruppe, Jugendliche mit erheblichen Leseproblemen, sind in den einzelnen Partnerländern in ganz unterschiedlichen Schulformen und -stufen. In einigen Ländern geht die Grundschule bis zur 4. Klasse, in anderen dagegen bis zur 8., 9. oder 10. Klasse, nach der dann zum Beispiel eine 'lower high school' für alle Kinder folgt oder eine Differenzierung nach Leistung."
Einige der ADORE-Partnerländer, wie etwa Deutschland, Rumänien und Polen, hätten verstärkt mit so genannten "school drop outs" zu tun - Jugendliche, die die Schule abbrechen und daher in besonderem Maße zur Gruppe potenziell schwacher Leser gehören. Norwegen und Finnland dagegen kennen dieses Phänomen nicht.
Auch in anderen Bereichn gibt es große Unterschiede. So setzen alle Partnerländer mit Ausnahme von Deutschland und Rumänien jährlich landesweite Lesetests ein, um den Stand der Kompetenzentwicklung ihrer Schüler genau zu ermitteln. Auch verzichtet die Mehrheit der Nationen - anders als Deutschland - auf Noten bis Klasse 9 oder 10 ganz; viele unterrichten jahrgangsübergreifend. Sozioökonomische Faktoren, die die Leseentwicklung negativ beeinflussen, wie etwa niedriges Einkommen der Eltern oder wenige Bücher zuhause, werden besonders in Finnland von den Schulen und anderen Bildungsinstitutionen kompensiert.
Was heißt eigentlich "Didaktik"?
Daneben haben die ADORE-Partnerländer unterschiedliche Konzepte für den Begriff "Didaktik": So steht er in Polen oder den USA für einen Unterricht, in dem die Lehrer ganz genau vorgeben, was die Schüler machen sollen, und nicht wie in Belgien, Ungarn oder Deutschland für die Wissenschaft und Konzeption vom Lehren und Lernen.
In Aquila verständigten sich die Teilnehmer zunächst auf ein Basismodell, das genügend Raum für nationale Modifikationen gibt. Das nächste Treffen ist für Ende September in Ungarn geplant.
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- ADORE
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