GEW: "Wer seinen Doktor macht, ist Wissenschaftler!"
Ein Umdenken bei der Förderung jüngerer Wissenschaftler hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gefordert. "Wer seinen Doktor macht, muss wie ein Wissenschaftler behandelt werden. Die Promotionsbedingungen in Deutschland müssen attraktiver werden, damit die Doktoranden den Hochschulen nicht weglaufen", forderte GEW-Vorstandsmitglied Gerd Köhler am Freitag zu Beginn der von Hans–Böckler-Stiftung und GEW gemeinsam veranstalteten Konferenz "Wissenschaftsforum: von Bologna über Berlin nach Bergen" in Berlin. Die Promotion müsse endlich als erste Phase der wissenschaftlichen Arbeit anerkannt und nicht länger als dritte Phase des Studiums verstanden werden.
01.10.2004 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und WissenschaftWährend sich die Kultusministerkonferenz (KMK) in langwierigen Ausschuss-Sitzungen mit der Frage beschäftige, ob die Bundesregierung und/oder die Ländervertretung allein die deutschen Interessen im Bologna-Prozess vertreten dürfen, bereiteten sich die anderen europäischen Staaten inhaltlich auf die nächste Konferenz im Mai 2005 in Bergen/Norwegen vor. "Wir brauchen endlich eine öffentliche Debatte über den Stand und die Perspektiven eines europäischen Hochschul- und Forschungsraumes. Wenn der Bologna-Prozess erfolgreich werden soll, muss er raus aus den ministerialen Hinterzimmern", sagte Köhler. Ziel des sogenannten Bologna-Prozesses ist, in Europa bis zum Jahre 2010 einen gemeinsamen Hochschul- und Forschungsraum zu schaffen.
Bis zur nächsten Etappe in Bergen müssten vier Fragen geklärt werden, sagte der GEW-Hochschulexperte. "Erstens brauchen wir eine Zwischenbilanz über die Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge in Deutschland." Dabei sei zu klären, ob es auch in anderen Staaten bei den Arbeitgebern ähnliche Akzeptanz-Probleme gegenüber den neuen Hochschulabschlüssen gäbe. "Wir vermissen zweitens Vorschläge, wie die Qualität der Ausbildung und die Mobilität der Studierenden europaweit verbessert werden können", kritisierte Köhler. Er unterstützte drittens die Forderungen der Studierenden nach einer europaweiten Vergleichsstudie, die regelmäßig die finanzielle und soziale Lage der Studentinnen und Studenten unter die Lupe nimmt. Der internationale Austausch von Studierenden werde sich nur dann ausweiten, wenn dafür die materiellen Voraussetzungen geschaffen würden.
"Viertens fordert die GEW, dass die Arbeitsbedingungen und die beruflichen Perspektiven des wissenschaftlichen Personals endlich auf die Agenda des Bologna-Prozesses gesetzt werden. Bisher behindert ein Gestrüpp unterschiedlicher Gesetze und Verordnungen den Ausbau wissenschaftlicher Austauschprozesse", unterstrich Köhler.
Info: Auf der Tagung referieren Prof. Dr. Ulrich Teichler, Autor vieler internationaler Vergleichsstudien, Prof. Dr. Hans-Uwe Erichsen, Vorsitzender des Deutschen Akkreditierungsrates, Birger Hendriks, Leiter der Deutschen Bologna-Gruppe, und Peter Greisler, der neue Unterabteilungsleiter im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für internationale Fragen.
Keine Kommentare vorhanden