Kommission stellt Empfehlungen für die Lehrerbildung vor
Heute stellte die Expertenkommission Lehrerbildung unter Leitung von Prof. Jürgen Baumert gemeinsam mit Bildungssenatorin Sandra Scheeres ihre Empfehlungen zur Reform der Lehrerbildung in Berlin vor.
26.09.2012 Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und ForschungDabei nahm die Kommission zu Strukturfragen sowie Fragen der Prozesssteuerung und Qualitätssicherung Stellung. Sie präsentierte Lösungsansätze zu Studienmodellen, zur Verankerung der inklusiven Pädagogik und zur Einrichtung von verschiedenen Schools of Education. Die Vorschläge sind eine Reaktion auf die Schulstrukturreform sowie auf die inhaltlichen Herausforderungen der Berliner Schule und zeigen einen innovativen Weg für die Zukunft der Lehrerbildung auf.
"Mein Ziel ist es, durch einen stärkeren Praxisbezug bereits im Studium berufsbezogener auszubilden, durch neue Studienmodelle die Attraktivität der Ausbildung zu steigern und die Durchlässigkeit der Studiengänge mit Lehramtsoption zu erhöhen", so Bildungssenatorin Scheeres. "In den letzten Jahren haben wir durch die Umsetzung der zweigliedrigen Schulstrukturreform und die zunehmend heterogener werdende Schülerschaft die Lehrkräfte vor neue Herausforderungen gestellt: Binnendifferenzierter Unterricht, Umgang mit multiethnischen Lerngruppen, Ganztagsschulbetrieb und zukünftig auch die Inklusion – all das sind Punkte, die eine Antwort erfordern und ihren Niederschlag in einem neuen Lehrerbildungsgesetz finden müssen. Den Mitgliedern der Kommission danke ich für ihre fachkompetente und zügige Arbeit."
Die Expertise nimmt Bezug auf die Koalitionsempfehlungen, in der zwei entscheidende Eckpunkte für eine Lehrerbildungsreform festgeschrieben wurden: Angehende Lehrerinnen und Lehrer sollen gleich lang ausgebildet werden, unabhängig davon, in welcher Schulform sie unterrichten. Einem sechssemestrigen Bachelor-Studium wird ein viersemestriges Masterstudium in allen Lehrämtern folgen. Damit soll auch das Ende einer unterschiedlichen Ausbildungslänge im Vorbereitungsdienst verbunden sein: Alle Lehramtsanwärterinnen und -anwärter erhalten einen 18-monatigen Vorbereitungsdienst.
Zentrale Vorschläge der Expertenkommission Lehrerbildung
Lehrämter orientiert an der Schulstruktur
Künftig soll es nur noch drei an der Schulstruktur orientierte Lehrämter (Grundschullehramt, Lehramt für ISS und Gymnasium sowie Lehramt für berufliche Schulen) geben.
Verstärkte Fachlichkeit im Lehramt an Grundschulen
Aufgrund der zentralen Bedeutung der sprachlichen und mathematischen Grundbildung von Kindern im Grundschulalter für den weiteren Bildungsweg schlägt die Kommission vor, für alle Studierenden des Grundschullehramtes die Studienfelder "sprachliche Grundbildung in Mündlichkeit und Schriftlichkeit (Lernbereich Deutsch)" sowie "mathematische Grundbildung (Lernbereich Mathematik)" verbindlich zu machen.
Berufliche Bildung - Studiengänge durchlässiger gestalten
Die Kommission schlägt neben einem grundständigen Studiengang einen "Aufbaumaster" vor, der generell für Fächer mit einem notorischen Mangel an Lehrkräften eine Option sein könnte.
Inklusion - Auftrag für alle Lehrkräfte
Sonderpädagogische Kompetenzen müssen breiter in der Lehrerbildung verankert werden. Deshalb schlägt die Kommission einen eigenständigen Studiengang "Lehramt Sonderpädagogik" durch die Einrichtung eines Studienschwerpunktes "Sonderpädagogik/Rehabilitationswissenschaften" in den Studiengängen Lehramt an Grundschulen, Lehramt an ISS und Gymnasien sowie Lehramt an beruflichen Schulen vor. Das heißt: Das zweite Fach wird durch das Studium von Behinderungsformen ersetzt. Damit werden Spezialisten für bestimmte Behinderungsformen ausgebildet. Die Kommission empfiehlt außerdem, dass für alle Lehrämter in den Bildungswissenschaften und in den Fachdidaktiken eine sonderpädagogische Grundqualifikation aufgenommen wird. Somit erhalten alle Lehramtsstudierende die notwendige Basisqualifizierung.
Praxissemester - Stärkung der Professionalität
Einführung eines Praxissemesters in den Masterstudiengängen aller Lehrämter. Einsatz von Mentorinnen und Mentoren, die an den Schulen die Betreuung der Studierenden übernehmen sollen.
Schools of Education an allen Universitäten
Die Kommission hält die Einrichtung von quer zu den Fächern und Fakultäten liegenden Schools of Education - oder anders genannte Einrichtungen - mit festgelegten Zuständigkeiten, Rechten und Pflichten sowie entsprechender Ressourcenausstattung für erforderlich. Die Wirksamkeit einer School of Education als Reformelement hängt wesentlich von der Nähe zu den Akteuren der Lehrerbildung ab. Danach verbietet sich die Einrichtung einer einzigen School of Education für alle Berliner Universitäten.Die vorliegenden Empfehlungen bilden die Grundlage für die Diskussionen für ein neues Lehrerbildungsgesetz. Einzusehen sind sie im Internet unter: www.berlin.de/sen/bildung/lehrer_werden.
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