„Mit dem Rücken zur Wand“

(bikl) Erhebliche finanzielle Kürzungen für die Universitäten befürchtet die Hochschulrektorenkonferenz als Folge der Föderalismusreform: "Die deutschen Hochschulen werden mit erheblich weniger von dem, was sie bisher erwarten durften, rechnen können", sagte der Sprecher der Hochschulrektorenkonferenz, Peter Hommelhoff, am Donnerstag im "Deutschlandradio Kultur".

05.05.2006 Artikel

Auch die neue Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Professor Dr. Margret Wintermantel, fand klare Worte. „Die deutschen Hochschulen stehen mit dem Rücken zur Wand. Über die Hälfte der Studienangebote sind nach den neuesten Zahlen des HRK-Hochschulkompass schon zulassungsbeschränkt, weil die Hochschulen anders einen vertretbaren Qualitätsstandard ihrer Lehre nicht mehr aufrechterhalten können", erklärte sie zum Auftakt der Jahresversammlung der Hochschulrektoren in Greifswald.

„Kleinstaatliche Strukturen und gar ein Kooperationsverbot von Ländern und Bund sind eindeutig schädlich“, sagte Wintermantel. Die Hochschulen stünden bereits „mit dem Rücken zur Wand“. Schon mehr als die Hälfte der Studienangebote seien zulassungsbeschränkt. Bald werde die Nachfrage nach Studienplätzen noch deutlich steigen. Diese große Aufgabe könne nur durch „entschlossenes gemeinsames Handeln“ von Bund und Ländern bewältigt werden. Allerdings deute sich an, dass der von Bund und Ländern in Aussicht gestellte „Hochschulpakt“ in der Lehre nur von den Ländern finanziert werden solle. Die HRK-Präsidentin bezweifelte, dass „unter diesen Umständen eine echte Unterstützung für die Hochschulen sichergestellt werden kann“.

Im Ausland sei die deutsche Entwicklung „nicht vermittelbar“, sagte Wintermantel weiter. “Wir sind im Begriff, einen gemeinsamen Hochschul- und Forschungsraum zu errichten, der Europa zu einer weltweit schlagkräftigen Größe machen soll. Dass gleichzeitig in Deutschland 16 Bundesländer ihre jeweils eigene Politik etwa in Sachen Bologna-Prozess machen könnten, wird in anderen Staaten nicht verstanden", so Wintermantel wörtlich.

Die HRK fordert eine Reihe von Änderungen in der geplanten Verfassungsreform. Lehre und Forschung an Hochschulen seien Aufgaben von gesamtstaatlicher Bedeutung, deswegen müssten Bund und Länder die Hochschulen im Einvernehmen auch institutionell gemeinsam fördern können. Die Einheitlichkeit der Hochschulabschlüsse, eine einheitliche, zumindest aber kompatible Ausgestaltung der Zulassungsverfahren, der Studienfinanzierung und der Qualitätssicherung sei unerlässlich.

Weitere Informationen in bildungsklick.de

HRK-Präsidium formuliert Kernforderungen zur Föderalismusreform Weg der deutschen Hochschulen nach Europa unnötig erschwert


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