Rheinland-Pfalz erhält Zuschlag für Max-Planck-Institut in Kaiserslautern

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) beabsichtigt, ihr neues Max-Planck-Institut (MPI) für Softwaresysteme an den beiden Standorten Kaiserslautern und Saarbrücken zu errichten.

28.07.2004 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

"Für das Land Rheinland-Pfalz ist dies eine der bedeutendsten forschungspolitischen Entscheidungen in dieser Legislaturperiode", verdeutlicht der Minister für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Professor Dr. E. Jürgen Zöllner, die Tragweite dieser Zusage.

Das neue MPI solle in Form zweier wissenschaftlich gleichwertiger Teilinstitute gegründet und durch Bund und Länder finanziert werden. Dabei seien im Endausbau fünf Abteilungen mit einem Gesamthaushalt, inklusive Nachwuchsförderung und Drittmitteln, von mehr als zehn Millionen Euro pro Jahr und rund 280 Beschäftigten vorgesehen.

Diese Entscheidung mache den rheinland-pfälzischen Informationstechnologie-Standort zu einem der bedeutendsten in Deutschland. "Ein derartiges Institut wäre enorm weg- und zukunftsweisend, denn die Informations- und Kommunikationstechnologie ist als wichtigstes Querschnittselement heutiger Zukunftstechnologien zu bezeichnen", unterstreicht der Wissenschaftsminister. "Forschungsergebnisse im Bereich der Softwaresysteme sind der Grundstock für Innovationen in zahlreichen Wissenschaftsbereichen. " Mit dem neuen MPI biete sich die Gelegenheit, noch stärker herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für Rheinland-Pfalz zu gewinnen.

Mit der vorgesehenen Gründung des MPI werde die zwölfjährige, konsequente Aufbauarbeit des Landes Rheinland-Pfalz in dieser Region mit zusätzlichen Forschungsinvestitionen und der Schaffung von neuen hoch qualifizierten Arbeitsplätzen belohnt. Das gesamte Gebiet "Saar/Westpfalz " werde zu einem der wenigen weltweit sichtbaren Informatik-Zentrum zusammenwachsen. Die Informatik sei der Wissenschaftsbereich, der die deutlichsten anwendungsnahen Entwicklungsimpulse auslöse. Mit dem Informatik-Zentrum werde daher ein regelrechter Wachstumskern entstehen, bei dem das Ausmaß von Ansiedlungen weiterer Firmen und Ausgründungen nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

In einem Wettbewerbsverfahren innerhalb der MPG hätten sich die beiden Universitätsstädte gegen die Konkurrenz von weiteren Standorten in der Bundesrepublik, darunter Aachen, Darmstadt, Karlsruhe und München, durchgesetzt. "Die Universität Kaiserslautern hat gemeinsam mit den bereits in Kaiserslautern angesiedelten Forschungsinstituten ein schlagkräftiges und auch international überzeugendes Forschungskonzept ausgearbeitet und damit den Zuschlag erhalten", erläutert der Minister die Entscheidung der MPG.

Die Max-Planck-Gesellschaft verspreche sich durch die Gründung eines Doppelstandortes eine deutlich engere Verzahnung der bereits jetzt hervorragenden Informatikkompetenzen in Kaiserslautern und Saarbrücken. Dabei habe die Kooperation bereits Tradition. So werde sowohl das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) als auch das Informatik-Zentrum Schloss Dagstuhl gemeinsam betrieben und die Informatik-Fachbereiche der beiden Universitäten kooperierten eng. Zusätzlich befänden sich das bislang einzige MPI für Informatik in Saarbrücken und das Fraunhofer-Institut für Software-Engineering (IESE) und das Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in Kaiserslautern ebenfalls in der Region.

"Diese Häufung von Forschungskompetenz an beiden nahe zueinander liegenden Standorten ist einmalig in der Bundesrepublik. Die Gründung des Doppelinstitutes bietet die Chance, sich international an der obersten Spitze der Forschung zu positionieren", skizziert der Wissenschaftsminister die Zukunftsperspektiven. Diese Perspektive hätte die MPG auch dazu bewogen, zu den bereits vorhandenen 80 Instituten eine Neugründung im Bereich der Softwaresysteme anzustreben.

Das neue MPI werde die wissenschaftlichen Grundlagen für die Entwicklung komplexer Softwaresysteme erforschen. Diese spielten eine zunehmend wichtige Rolle etwa bei Betriebssystemen, unternehmensübergreifenden Geschäftsprozessen, Telekommunikationsnetzen oder in der Automobil- und Flugzeugindustrie. Weitere Schwerpunkte seien innovative Programmiersprachen und Fragen der Datensicherheit.

Mit der vorgesehenen Gründung des MPI in Kaiserslautern werde die Landesregierung ein weiteres Ziel umsetzen können, das sie sich in ihrer Koalitionsvereinbarung gesetzt hat: die Ansiedlung weiterer überregional bedeutender Forschungsinstitute, die Verstärkung des Wissenstransfers und die Förderung von Ausgründungen.

Die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. steht seit mehr als einem halben Jahrhundert für exzellente Grundlagenforschung und hat sich selbst der "Wissenschaft auf Weltniveau" verpflichtet. Für das Land Rheinland-Pfalz wäre es nach dem MPI für Chemie und dem MPI für Polymerforschung, jeweils in Mainz, das dritte Max-Planck-Institut. Die endgültige Entscheidung werde voraussichtlich in der November-Sitzung der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung fallen.


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