Sachsens Wissenschaftsministerin will Medizinstudium auf den Prüfstand stellen
Sachsens Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange plädiert für eine Reform des Medizinstudiums. "Auch beim Medizinstudium müssen wir uns der Frage stellen, ob der moderne Arbeitsmarkt neben der klassischen Ausbildung zum Arzt neue Studienformen braucht, die medizinisches Wissen mit Kompetenzen aus Bereichen wie Gesundheitsökonomie, Ingenieurwesen oder Journalismus zusammenbringen", sagte Dr. Stange heute im Umfeld der Eröffnung des Medizinischen Fakultätentages in Leipzig. Dabei ginge es allerdings nicht um eine formale Umstellung des heutigen Medizinstudiums auf BA/ MA-Strukturen oder gar eine Dequalifikation künftiger Ärzte. "Sowohl der Arbeitsmarkt als auch die Wissenschaft benötigen neue Qualifikationsprofile, denen sich auch die Medizin nicht verschließen darf."
11.06.2009 Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und TourismusDabei könne es nicht darum gehen, alten Wein in neue Schläuche zu gießen. "Wichtig ist es neben der klassischen Medizinerausbildung gezielt zweistufige Studiengänge zu konzipieren, die medizinische Inhalte und medizinische Praxis mit einer vertiefenden Ausbildung in einem anderen Wissenschaftsbereich verknüpfen." Solcherart ausgebildete Absolventen könnten dem Arbeitsmarkt später beispielsweise als Fachjournalisten, als Medizinstatistiker oder im Klinikmanagement zur Verfügung stehen.
Die Ministerin verwies vor diesem Hintergrund darauf, dass eine hohe Prozentzahl der Medizinabsolventen nicht als Arzt in der Praxis oder im Krankenhaus ankomme. "Absolventen der Medizin sind nachgefragte Fachkräfte auch in der Wissenschaft und in der Pharmaindustrie." Dem sollte sich die Hochschulausbildung nicht verschließen. Die Ministerin regte vor diesem Hintergrund an, möglichst schnell eine Studie auf den Weg zu bringen die aufzeigt, in welchen Berufen Medizinabsolventen nach ihrem Studium tatsächlich tätig und benötigt würden.
Die sächsische Wissenschaftsministerin hatte gemeinsam mit Baden-Württemberg im Rahmen der Konferenz der Kultusminister angeregt, eine intensive Diskussion über die Reform des Medizinstudiums zu führen. Diese Überlegungen dürften aber keinesfalls dazu führen, so Dr. Stange, dass die Kapazitäten für die Medizinerausbildung reduziert würden. "Das kann nicht der Weg sein, dem zukünftigen Mangel an Ärzten wirkungsvoll zu begegnen."
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