Schule muss Demokratie lehren und leben
(red/pm) - In Osnabrück hat heute die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) ihren 23. Bildungskongress eröffnet. Rund 1.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden an drei Kongresstagen "Erziehungswissenschaftliche Grenzgänge" diskutieren und hinterfragen.
12.03.2012 Artikel"Eine zentrale Aussage der Eröffnungsveranstaltung war aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive, dass Grenzgänge zwischen den Bildungs- und Sozialsystemen unbedingt notwendig sind," resümierte Prof. Dr. Werner Thole von der Universität Kassel, der Vorsitzende der DGfE. Grenzgänge erleichterten den Schülerinnen und Schülern, den Kindern und Jugendlichen die Übergänge zwischen unterschiedlichen innerschulischen, aber auch zwischen den nichtschulischen Angeboten.
Den politischen Dimensionen der Erziehungswissenschaft war zuvor Prof. Dr. Axel Honneth von der Universität Frankfurt nachgegangen in seinem Vortrag "Erziehung und Freiheit - Ein vernachlässigtes Kapitel der Gerechtigkeitstheorie" und hatte damit zugleich die Berechtigung des Postulats nach einer demokratischen Erziehung eingefordert: "Es gibt daher in Zeiten, in denen allerorten von wachsender politische Apathie gesprochen und sogar die Gefahr einer 'Postdemokratie' an die Wand gemalt wird, keinen, aber auch gar keinen Grund, nicht die von Kant, Durkheim und Dewey begründete Tradition einer demokratischen Erziehung noch einmal wiederzubeleben und die öffentlichen Schule als das zentrale Organ der ständigen Selbsterneuerung von Demokratien zu begreifen."
Eine Forderung, die Werner Thole gern aufgriff, denn ein solches Plädoyer beinhalte eindeutig, dass die Erziehung zur Demokratie, eine Auseinandersetzung auch mit rassistischen und antisemitischen Positionen, keine Aufgabe nur für ein Unterrichtsfach sei, sondern nur realisiert werden könne, wenn demokratische Gepflogenheiten selbst zu einem genuinen Bestandteil von Schule würden.
Es fehlen 200 erziehungswissenschaftliche Professuren
Nicht zuletzt auch das könne nur auf Grundlage eines hinreichend professionalisierten Personals im Bildungssektor gelingen. Das sei zwar eine von vielen gesellschaftlichen Kräften formulierte Forderung, aber "umgekehrt wird gern übersehen, dass an den Hochschulen die Basis für diese Professionalisierung des Bildungs- und Sozialsystems geschaffen wird." Allein das erschreckend negative Verhältnis von 100 Lehramtsstudierenden auf eine Hochschullehrerstelle signalisiere ein erhebliches Defizit in der Bildungsrepublik Deutschland: "Es fehlen 200 erziehungswissenschaftliche Professuren!"
In seinem weiteren Verlauf wird sich der Kongress in einer der rund 140 Veranstaltungen 'Jugendliche Lebenswelten abseits des pädagogischen Monitorings' anschauen unter dem Thema: "Denn wir wissen nicht, was sie tun."
www.dgfe2012.de - Homepage zum Kongress
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