"Start des Wintersemesters 2005/2006" - Sprechzettel für die Pressekonferenz zum Thema
Anrede, in dieser Woche beginnt für viele junge Menschen ein neuer, wichtiger Abschnitt ihres Lebens: Mit dem Beginn der Vorlesungszeit an den Universitäten (die Fachhochschulen starten ja immer etwas früher) steigen sie in den Studienbetrieb ein. Ich möchte Sie heute informieren, wie sich die Studierendenzahlen an den nordrhein-westfälischen Hochschulen in diesem Wintersemester entwickeln und welche Trends und Perspektiven aus den uns vorliegenden Zahlen abzulesen sind.
18.10.2005 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-WestfalenEntwicklung der Studienanfängerzahlen
Die wichtigste Nachricht: Die Zahl der Erstsemester an den NRW-Hochschulen steigt. Die Zahl der Studienanfänger - also der jungen Leute, die sich erstmals einschreiben - ist der Gradmesser des Studieninteresses. Und wir stellen fest: Die Attraktivität eines Studiums hat wieder angezogen. Nachdem vor einem Jahr, also im Wintersemester 2004/2005 gegenüber dem Wintersemester 2003/2004 noch ein Rückgang von 3,9 Prozent zu verzeichnen gewesen war, melden die Hochschulen jetzt wieder Zuwächse.Im Wintersemester 2005/06 beginnen in Nordrhein-Westfalen rund 66.900 Erstsemester ihr Studium, gegenüber dem vorherigen Wintersemester bedeutet das ein Plus von 1.900 Studienanfängern. Das heißt: In diesem Wintersemester nehmen fast drei Prozent junger Menschen mehr als im Wintersemester 2004/05 ein Studium auf.
An den NRW-Hochschulen studieren damit im Wintersemester insgesamt 467.200 Studierende. Gegenüber dem vergangenen Wintersemester ist das eine Steigerung um 8.900 oder 1,9 Prozent.
Das heißt zugleich: Der Anstieg der Studienanfänger widerlegt die These von der vermeintlich abschreckenden Wirkung der Studienbeiträge. Denn jeder, der sich zu diesem Wintersemester in Nordrhein-Westfalen immatrikuliert, muss davon ausgehen, dass er ab Sommersemester 2007 an seiner Hochschule Studienbeiträge entrichten wird.
Bachelor- und Master-Studiengänge:
Wenn es auch zum jetzigen Zeitpunkt auf der vorhandenen Datenbasis nicht möglich ist, Entwicklungen in einzelnen Studienfächern im Detail aufzuzeigen, haben wir uns doch einige Bereiche etwas genauer angesehen. Das ist zunächst die Entwicklung bei den Bachelor- und Masterstudiengängen.Bei der Umstellung von Studiengängen auf Bachelor- und Masterabschlüsse ist Nordrhein- Westfalen führend in Deutschland. Wir haben in NRW inzwischen über 40 Prozent der Studiengänge auf die neue Studienstruktur umgestellt. Damit liegt NRW bundesweit vorne, das hat ein Ländervergleich der Kultusministerkonferenz vor drei Wochen bewiesen. Aber der Reformwille der Hochschulen wird auch von den Studieninteressierten honoriert.
Die Nachfrage in Bachelor-Studiengängen zieht deutlich an. Immatrikulierten sich zum Wintersemester 2004/2005 an den nordrhein-westfälischen Hochschulen in 329 Bachelor- Studiengängen noch 15.555 Anfänger, sind dies zum Wintersemester 2005/2006 in 550 Studiengängen bereits insgesamt 28.598. Das ist eine Steigerung um rund 84 Prozent. Inzwischen schreibt sich in Nordrhein-Westfalen weit mehr als jeder dritte Studienanfänger in einen Bachelor-Studiengang ein.
Auch die Nachfrage in Master-Studiengängen steigt. Hier haben wir eine Steigerung um 30 Prozent vom Wintersemester 2004/2005 mit 262 Master-Studiengängen und 2.200 Anfängern zum Wintersemester 2005/2006 mit 373 Studiengängen und 2.861 Anfängern. Um Irritationen vorzubeugen: Die Anfänger in den Master-Studiengängen zählen natürlich ebenso wie die Studienfachwechsler nicht in unserer Statistik der Erstsemester mit, weil es sich hier ja nicht um eine Ersteinschreibung handelt.
Lehramtsstudiengänge:
Von besonderem Interesse ist für uns auch die Entwicklung bei den Lehramtsstudiengängen. Auch hier stellen wir eine erfreuliche Entwicklung fest. Denn im Gegensatz zu Meldungen über bundesweit sinkende Attraktivität des Lehrerberufs verzeichnen wir in Nordrhein-Westfalen eine Zunahme des Interesses am Lehramtsstudium.Dabei müssen wir bei der Betrachtung der Einschreibezahlen differenzieren, denn wir haben in NRW die Besonderheit, dass wir in Bielefeld, Bochum, Dortmund und Münster die gestufte Lehrerausbildung in der Bachelor-/Masterstruktur mit unterschiedlichen Modellen gestartet haben.
Bei den klassischen Lehramtsstudiengängen, die also noch nicht auf Bachelor/Master umgestellt sind, haben wir ein Nachfrageplus von sieben Prozent. Die Anfängerzahl ist in diesem gegenüber dem vergangenen Wintersemester um 412 auf 6.319 gestiegen - beim Studium mit dem Schwerpunkt Haupt-, Real- und Gesamtschule um 17,3 Prozent, beim Lehramt Gymnasium/Gesamtschule um 10,3 Prozent. Diese Entwicklung werte ich durchaus auch als positive Reaktion auf die Schul- und Hochschulpolitik der schwarz-gelben Landesregierung.
Bei den Standorten mit den Modellversuchen haben wir folgendes zu berücksichtigen: Durch die Umstellung auf die Bachelor-/Masterstruktur wissen wir nicht, ob es sich bei den Studienanfängern in einem lehramtsrelevanten Studienfach um einen Lehramtsstudenten handelt. Denn die Studierenden entscheiden sich ja erst nach dem Bachelor (mit dem sie berufsqualifizierend ein bestimmtes Fach studieren), ob sie sich dann für den Master entscheiden, der den Weg zum Lehramt eröffnet.
Genau diese Flexibilisierung ist von uns ausdrücklich so gewollt. Früher musste man sich mit dem Studienbeginn entscheiden, ob man Lehrer werden möchte oder nicht. Das hat dann zu den so genannten Schweinezyklen geführt: Wenn es an Lehrern mangelte, haben sich mehr Erstsemester in Lehramtsstudiengänge eingeschrieben, und wenn diese Welle an Studierenden Examen gemacht hat, war der Mangel oft bereits nicht mehr existent, d.h. die Arbeitsmarktchancen schlecht.
Jetzt sind wir in der Lage, sehr kurzfristig Lehrernachwuchs anzusprechen und zu gewinnen. Besonders in den derzeitigen Mangelfächern Mathematik, Physik und Informatik hat der Bachelor-Student jetzt bessere Möglichkeiten, sich sehr spät im Studium noch flexibel zu zeigen.
Auch wenn wir also nicht genau die Zahl derjenigen Erstsemester benennen können, die in den lehramtsrelevanten Bachelor-Studiengängen Lehrer werden möchten, gibt es doch sehr gute Perspektiven: Das Interesse an diesen Studiengängen ist sehr groß, im Wintersemester starten in diesen Studiengängen 6.765 Studienanfänger. An den beiden Standorten Bielefeld und Bochum, an denen die Modellversuche schon seit dem Wintersemester 2002/2003 laufen, haben wir Vergleichszahlen zum Vorjahr. In Bielefeld stieg die Zahl von 500 auf 1.000, in Bochum von 350 auf 1.500. Dortmund und Münster, die jetzt mit ihren Modellstudiengängen starten, melden 1.465 und 2.800 Immatrikulationen.
Für das Land bedeutet das: Wir haben in den nächsten Jahren eine wachsende Gruppe von Bachelor-Absolventen, also beruflich Qualifizierten, die sich dann gezielt nicht nur an ihren Berufswünschen, sondern auch am aktuellen Lehrer-Bedarf für ein Lehramts-Masterstudium entscheiden können und dann zeitnah dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.
Finanzielle Ausstattung der Hochschulen
Lassen Sie mich zum Abschluss noch kurz die bisherigen Kabinettsbeschlüsse und die Beratungen im Kabinett zum Nachtragshaushalt resümieren, weil die finanzielle Ausstattung der Hochschulen ja von entscheidender Bedeutung und viel diskutiert ist. Die Landesregierung hat hier wichtige Weichenstellungen vorgenommen. Die Hochschulen sind von der Haushaltssperre ausgenommen, sie sind vom Einstellungsstopp ausgenommen, die Hochschulen erhalten für dieses Jahr einen Heizkostenzuschuss aufgrund der gestiegenen Energiekosten in Höhe von 7 Millionen Euro, die Landesregierung hat die Ko-Finanzierung der Exzellenzinitiative zugesichert, und wir haben die von der Vorgängerregierung geplante Verrechnung der Einnahmen aus den Studiengebühren nach Studienkontengesetz aufgehoben, was im Ergebnis allein im Fall dieser Studiengebühren bedeutet: 2006 erhalten die NRW-Hochschulen mindestens 22,5 Millionen Euro mehr als sie unter einer rot-grünen Regierung erhalten hätten.Damit halten wir Wort: Erstens bleibt alles Geld an den Hochschulen, was von den Studierenden kommt. Und zweitens unternimmt die Landesregierung trotz der desaströsen Haushaltslage alle Anstrengungen, um die Hochschulen hinreichend finanziell auszustatten. Wir investieren in Bildung, weil Bildung Zukunft bedeutet.
Keine Kommentare vorhanden