Studiengebühren: Note 4 für die Unis
(bikl.de/pm) Schlechte Noten für Universitäten mit Studiengebühren: Lediglich die "Zufriedenheits-Schulnote" 3-4 vergeben informierte Studierende für die angeblich verbesserten Studienbedingungen, die mit ihren Gebühren finanziert worden sind, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.
28.06.2007 ArtikelDer Großteil der Gebührenzahler will noch gar nicht mitbekommen haben, ob und was mit seinen Gebühren gemacht wurde. Die Zahl der Gebührengegner ist mit bundesweit 60 Prozent weiterhin hoch und auch die Zukunftsaussichten werden von Gebührenzahlern wenig optimistisch beurteilt. Rund 5.000 Interviews ließ Prof. Dr. Markus Voeth vom Lehrstuhl für Marketing der Universität Hohenheim an allen 48 Universitäten mit Studiengebühren durchführen. Das Fazit der Studie "Gebührenkompass 2007": Um den Gebühren-Pessimismus zu überwinden, müssen die Hochschulen stärker auf die Kundenwünsche der Gebührenzahler eingehen – und ihre Transparenz und Informationspolitik grundlegend ändern.
"Kundenwünsche der Gebührenzahler erkennen"
"Hochschulpolitisch machen Studiengebühren aus der universitären Ausbildung ein richtiges Bildungsprodukt. Mit unserer Studie wollen wir die passende Marktforschung dazu bieten", erklärt Prof. Voeth. "Denn ob die Gebühren die Studienbedingungen verbessern, hängt auch davon ab, ob es den Hochschulen gelingt, die Kundenwünsche ihrer Gebührenzahler zu erkennen und ernst zu nehmen."
Vor diesem Hintergrund konzipierten die Marktforscher um Prof. Voeth ihre künftig jährlich aktualisierte Langzeitstudie zur Kundenzufriedenheit über die Verwendung von Studiengebühren. Im Gegensatz zu online-Foren und anderen Gebühren-Orakeln legen die Markt-Experten besonderen Wert auf ein wissenschaftlich seriöses Fundament. "Alle rund 5.000 Interviews wurden ausschließlich vor Ort von 68 geschulten Mitarbeitern erhoben", so Björn Rentner, einer der Projektleiter. Ihren Fragebogen entwickelten die Forscher erst nach 40 detaillierten Tiefeninterviews und mehreren Testläufen mit Hunderten von Studierenden.
Schlecht informiert
"Laut unserer Studie kritisieren die Gebührenzahler sowohl die Informationspolitik als auch in Teilen die Maßnahmen, die mit ihrem Geld finanziert wurden", so Prof. Voeth.Bundesweit gingen nur 21 Prozent der Gebührenzahler davon aus, dass ihre Hochschule bereits Maßnahmen aus den Studiengebühren eingeleitet habe. "Der Großteil der Gebührenzahler will noch gar nicht mitbekommen haben, ob und was mit seinen Gebühren gemacht wurde", kritisiert Prof. Voeth.
Zufrieden seien jedoch nicht einmal die 21,3 Prozent, die etwas von der Geldverwendung mitbekamen. "In Schulnoten erhält das "Experiment Studiengebühren" bundesweit nur eine 3-4", erklärt Björn Rentner als einer der Projektleiter. Interessant sei, dass Einkommen, Alter und Nationalität bei der Beurteilung keine Rolle spielten.
Mit Blick auf den schlechten Kenntnisstand der Studierenden sei es in diesem Semester auch noch nicht möglich, die Universität mit maximaler "Gebührenzufriedenheit" zu küren, betont Prof. Voeth. Dazu hätten an zu vielen Universitäten die Studierenden noch gar nichts von Studiengebühren mitbekommen. Mit Spannung blicken der Marktforscher und seine Mitarbeiter deshalb auf die kommende Auflage der Studie im Frühjahr 2008. "Im kommenden Jahr wollen wir dann definitiv die Königsuniversität mit der maximalen Gebühren- und damit Kundenzufriedenheit küren."
Wenig Optimismus
Eine Ursache für die hohe Ablehnung dürfte sein, dass "die überwiegende Mehrheit nicht davon ausgeht, dass sich die Lehrbedingungen an Universitäten durch Studiengebühren wirklich verbessern", schließt Prof. Voeth. Bundesweit glauben nur 29 Prozent aller bezahlenden Studierenden daran, dass ihr Geld tatsächlich einmal zur Verbesserung der Studienbedingungen beiträgt. 71 Prozent gehen davon aus, dass es trotz Studiengebühren zu keiner Verbesserung kommen wird.
Schneller studieren
Zu einem Effekt der Studiengebühren gehört, dass sich eine knappe Mehrheit der Gebührenzahler gezwungen sieht, ihr Studium in kürzerer Zeit zu absolvieren. "Bundesweit bejahen 60,1 Prozent die Frage, ob Studiengebühren ein Ansporn sind, schneller zu absolvieren", zitiert Prof. Voeth aus der Studie. Die Universität Hohen selbst hat bereits auf Studie reagiert. Ein Aufkleber "finanziert aus Studiengebühren" soll künftig alle Bücher, PCs, Beamer oder Laborgeräte kennzeichnen, die dank der neuen Studiengebühren angeschafft wurden.
Hessen erhebt Gebühren nur "vorläufig"
Unterdessen hat der hessische Wissenschaftsminister, Udo Corts, mitgetilt, dass die Gebühren im Wintersemester nur "vorläufig" erhoben würden. Grund ist ein Verfahren vor dem Staatsgerichtshof. Mehr als 78 000 hessische Bürger sowie die Landtagsfraktionen von SPD und Grünen klagen dort, weil die hessische Verfassung kostenlose Bildung garantiert.
Weiterführende Links
- Gebührenkompass 2007
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