Weniger Ingenieure im Land der Ingenieure: Studie zu Studienwahl und Berufschancen von Ingenieuren vorgestellt
"Sachsen bietet künftigen Ingenieuren beste Voraussetzungen für ein Studium und eine Karriere in Wissenschaft und Wirtschaft. Noch ist Sachsen bundesweit Spitze, denn jeder Vierte studiert in den Ingenieurwissenschaften. Auf Grund des steigenden Bedarfs und rückgängiger Abiturientenzahlen muss es aber noch besser gelingen, mehr Abiturienten, insbesondere Mädchen, für ein naturwissenschaftlich-technisches Studium zu gewinnen", so Sachsens Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange heute zu den Ergebnissen einer Untersuchung der Technischen Universität Dresden zu Studienwahl und Berufschancen von Ingenieuren.
23.06.2009 Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und TourismusDie Studie zeige, dass es nötig sei, das natürliche Interesse von Kindern für Natur und Technik schon früh zu stärken und zu entwicklen, ganz gleich ob Mädchen oder Jungen. "Die neuen Bildungspläne in den Kitas sind eine gute Grundlage für die spielerische Vermittlung naturwissenschaftlicher und technischer Zusammenhänge. Aber die Ausbildung der ErzieherInnen und GrundschullehrerInnen muss diesem Anspruch noch besser Rechnung tragen und die Vermittlung von technischen Basikompetzenzen stärker berücksichtigen."
Die Studie zeige darüber hinaus, dass mehr junge Frauen für ein ingenieurwissenschaftliches Studium interessiert werden müssten. Bisher entschieden sich nur 12 Prozent der sächsischen Abiturientinnen für ein ingenieurwissenschaftliches Studium. "Hier müssen endlich tradierte Rollenmuster überwunden werden. Dazu sind neue methodische Ansätze der Vermittlung von technischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen gefragt, die die sozialen und praktischen Interessen von Mädchen besser ansprechen und fördern", so die Wissenschaftsministerin. Es fehle unter anderem an weiblichen Vorbildern in der Wissenschaft und unter den Ingenieuren.
Die Studie zeige auch, dass die Wechsler- und Abbrecherquote bei den Ingenieurwissenschaften höher sei als in anderen Fachdisziplinen. Als zu hoch empfundene Leistungs- und Prüfungsanforderungen seien hierfür herausragende Ursachen. Deshalb sei es notwendig, das Studium der Ingenieurwissenschaften praxisorientierter und mit stärkerem Forschungsbezug zu gestalten.
Ingenieurwissenschaften würden in Sachsen deutlich stärker nachgefragt als bundesweit, so Prof. Karl Lenz und Prof. Andrä Wolter vom der Technischen Universität Dresden. Die Zahl der Studienanfänger in diesem Bereich steige seit den 1990er Jahren fast kontinuierlich. Im Jahr 2007 hätten sich rund 60 Prozent mehr Studierende in einem ingenieurwissenschaftlichen Fach eingeschrieben als noch im Jahr 1993. (Deutschlandweit im gleichen Zeitraum lediglich um 17%). Damit seien in Sachsen die Ingenieurwissenschaften seit 2003 beliebteste Fächergruppe. Über ein Viertel aller Studienanfänger wähle ein Fach aus diesem Bereich, deutschlandweit lediglich knapp ein Fünftel. Prof. Karl Lenz: "Auf lange Sicht muss in Sachsen mit einem deutlichen Ingenieurmangel gerechnet werden. Grund ist das Ausscheiden der heute noch berufstätigen älteren Ingenieure. Dieser Verlust kann derzeit nicht durch eine hinreichende Zahl von Absolventen und Absolventinnen ausgeglichen werden. Prof. Andrä Wolter verwies zudem auf ein schlechtes Image des Ingenierberufs, der als wenig kreativ gelte und keinen Raum für Selbstverwirklichung lasse. "Hier müssen Bildungssystem, Wirtschaft und Medien zusammenarbeiten, um neue Rollenmodelle zu vermitteln."
Das Sächsische Kompetenzzentrum für Bildungs- und Hochschulplanung an der TU Dresden hatte im Auftrag des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst die Studie erarbeitet. Hintergrund sind sowohl die Diskussion über einen drohenden Fachkräftemangel in den Ingenieurwissenschaften und die stark auf ingenieurwissenschaftlich-technische Ausbildung ausgerichtete Hochschullandschaft in Sachsen .
Die vollständige Studie finden Sie unter: www.smwk.de
Keine Kommentare vorhanden