Amerikanische Schulen: Private nicht besser

(bikl) Das Education Department in Washington hat am vergangenen Freitag eine Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass Schüler an öffentlichen Schulen in der Regel gleich gut oder besser beim Lesen oder in Mathematik abschneiden als vergleichbare Kinder an privaten Schulen. Ausnahme, so berichtete The New York Times, machten nur die Acht-Klässler im Lesen. Hier waren die Privatschüler besser.

17.07.2006 Artikel

Die Untersuchung, die im Jahr 2003 in fast 7.000 öffentlichen und 530 privaten Schulen die Viert- und Acht-Klässler in Lesen und Mathematik verglichen hatte, belegte außerdem, dass Schüler konservativer christlicher Schulen in Mathematik in der achten Klasse deutlich hinter den Pendants in öffentlichen Schulen zurück lagen.

Entsprechend positiv reagierte Reg Weaver, Präsident der 3 Millionen Mitglieder starken Lehrergewerkschaft (National Education Association): Die Befunde zeigten, dass Public Schools "eine hervorragende Arbeit leisten" und wenn die Ergebnisse für Privatschulen vorteilhaft gewesen wären, hätte "es Pressekonferenzen und glühende Erklärungen über Privatschulen gegeben". Die Regierung habe öffentlichen Schulen von Beginn an "Knüppel in den Weg gelegt“, um gemäß ihrer politischen Agenda „Charter Schulen“ und steuerfinanzierte Berechtigungsscheine als Alternative zu den versagenden öffentlichen Schulen offensiv zu bewerben.

Deutlich zurückhaltend äußerte sich ein Sprecher des Education Department. Er konnte in der Studie kein Lob für die öffentlichen Schulen entdecken. Er erwarte daher auch nicht, dass diese Erkenntnisse die Politik beeinflussten. Vielmehr äußerte er Bedenken, ob ein allumfassender Vergleich zweier Schulformen überhaupt sinnvoll sei. „Wir sind weder für private Schulen noch für öffentliche Schulen“, sagte er. „Wir sind für gute Schulen.“

In Auftrag war die Studie gegeben worden, als Daten darauf hingedeutet hatten, dass „Charter Schulen“, die von öffentlichen Geldern finanziert werden, jedoch von privaten Gruppierungen geleitet werden, keine bessere Bildung bieten als traditionelle öffentliche Schulen.

Die Befürworter der „Charter Schulen“ hatten dem jedoch entgegen gehalten, diese Erkenntnisse ließen die Tatsache unberücksichtigt, dass die „Charter Schulen“ von Schülern dominiert werden, die schon auf mehreren Nachbarschulen gescheitert wären.

Die jetzt vorgelegten Ergebnisse basieren daher auch auf Faktoren wie ethnischer Hintergrund, Einkommen und Bildungshintergrund der Eltern und lassen somit auch einen tiefgründigeren Vergleich zu.

Joseph McTighe, Direktor des Council for American Private Education (Verband der amerikanischen Privatschulen), eine Dach-Organisation, die 80 Prozent der privaten Grund- und Sekundar-Schulen repräsentiert, sagte, dass die statistische Analyse wenig mit der elterlichen Entscheidung über die Bildung ihrer Kinder zu tun hätte. „Im wirklichen Leben sind Schüler an Privatschulen deutlich besser als Schüler an öffentlichen Einrichtungen“, erklärte es. „Das ist das wirkliche Leben und so ist die Lage nun mal.“

Anlage:

Der vollständige Report zum Download (im .pdf-Format).


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