Bayern: Schlechte Noten für Lehrerinnen
(bikl/pm) Lehrerinnen erhalten in Bayern durchweg schlechtere Bewertungen als ihre männlichen Kollegen. Dies hat eine Schriftliche Anfrage der Grünen zur dienstlichen Beurteilung von Lehrkräften für das Jahr 2006 zu Tage gefördert. "Die Beurteilungspraxis an bayerischen Schulen diskriminiert Frauen eklatant", schlägt der Sprecher der Grünen für den Öffentlichen Dienst Adi Sprinkart Alarm. In allen Schultypen und quer durch alle Regierungsbezirke rangierten weibliche Lehrkräfte nur im Mittelfeld. Die besten Prädikatsstufen, die letztlich auch für die Beförderung in Führungspositionen ausschlaggebend sind, würden dagegen überproportional häufig an Männer vergeben.
08.02.2008 Bayern ArtikelSo wurden beispielsweise an den Gymnasien knapp 25 Prozent der Männer in die Leistungskategorien "herausragend" bzw. "besonders gut" eingestuft. Bei den Gymnasiallehrerinnen kamen dagegen nur 14 Prozent in diese ersten beiden von insgesamt sieben Prädikatsstufen. Noch krasser fällt das Ergebnis an den Volksschulen aus: Über 28 Prozent der männlichen Lehrkräfte erhielten das Prädikat "herausragend" oder "besonders gut", dagegen nur gut 13 Prozent der beurteilten Frauen. "Dieses enorme Missverhältnis bei den dienstlichen Bewertungen führt dazu, dass Frauen massiv um Karriereperspektiven beschnitten werden", so Adi Sprinkart.
Wie die Anfrage ebenfalls offen legt, herrscht im bayerischen Schuldienst eine deutliche Schieflage zwischen Vollzeit- und Teilzeitkräften. Während beispielsweise an den Volksschulen über 23 Prozent der Vollzeitkräfte die ersten beiden Ränge erreichen, sind es bei den Teilzeitkräften nur gut 8 Prozent. An den Gymnasien gelten gut 24 Prozent der Vollzeitkräfte als "herausragend" oder "besonders gut", dagegen nur 11 Prozent der teilzeitbeschäftigten Lehrkräfte.
"Nach den Beurteilungsrichtlinien ist es völlig unzulässig, Lehrerinnen und Lehrer aufgrund von Teilzeitbeschäftigung bei der Bewertung zu benachteiligen", verweist Adi Sprinkart auf die Rechtslage. Leidtragende seien auch hier überwiegend weibliche Lehrkräfte, die das Gros der Teilzeit-Arbeitsverhältnisse stellen. "Wir haben es hier mit einer ganz offenkundigen Diskriminierung zu tun – schließlich würde niemand behaupten, dass Frauen schlechtere Lehrkräfte sind als Männer. Der Fehler liegt also im System." Besonders ärgerlich ist für den grünen Landtagsabgeordneten die Untätigkeit des Kultusministeriums. So habe schon eine frühere Anfrage der Grünen aus dem Jahr 2001 ein ähnliches Missverhältnis zwischen den Bewertungen von Frauen und Männern belegt. Adi Sprinkart: "Hier ist dringender Handlungsbedarf, um endlich die fortgesetzte Benachteiligung von Frauen zu unterbinden."
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