Bewegung nicht nur im Sportunterricht
(red/idw) "Versteht man Bewegung in erster Linie als ein Medium, über das junge Menschen einen Erkenntniszugang zur Welt erhalten, dann kann man Bewegung und Sinnlichkeit bei der Gestaltung einer Schul- und Unterrichtskultur nicht übergehen.", erläutert Prof. Hildebrandt-Stramann vom Seminar für Sportwissenschaft der Technischen Universität Braunschweig.
24.04.2014 ArtikelZusammen mit Sport- und Bewegungsexperten aus Marburg und Jena forschte er von 2005 bis 2012 im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur Entwicklung von Bewegung, Spiel und Sport in der Ganztagsschule. Die abschließende Publikation des Verbundprojektes ist nun erschienen.
Insgesamt wurden 21 Ganztagsschulen unterschiedlicher Ausprägung – gebunden, teilgebunden oder offen – in Niedersachsen, Hessen und Thüringen mit qualitativen Studien untersucht sowie Schüler und Lehrer befragt. In welcher Funktion und Ausprägung Bewegung, Spiel und Sport in den Schulen eine Rolle spielt, ist unterschiedlich, erläutert Prof. Hildebrandt-Stramann. So reiche das Spektrum vom klassischen Sportunterricht, über Nachmittagsangebote mit außerschulischen Partnern bis hin zu einer Einbindung in die Schulkultur, so der Experte. Schließlich haben die Schulen durch den Eingriff bis in die Nachmittagsfreizeit auch eine besondere Verantwortung.
Weil Bewegung mehr als Sportunterricht ist
Diese Verantwortung, so die Experten um Hildebrandt-Stramann, sollte sich in den Entwicklungskonzepten für Ganztagsschulen widerspiegeln. Denn gerade die konzeptionelle Ausrichtung entscheide über den Stellenwert von Bewegung, Spiel und Sport in den jeweiligen Schulen. So erfülle ein Sportangebot am Nachmittag an offenen Ganztagsschulen zumeist eine Kompensationsfunktion für den Vormittagsunterricht. Gerade diese Angebote, so die Experten, sollten mit einem pädagogischen Konzept unterlegt sein. Eine bedeutenderen Stellung erfahre der Dreiklang an gebundenen Ganztagsschulen.
"Bewegung, Spiel und Sport kann mehr als eine Ausgleichsfunktion für die kognitiven Belastungen erfüllen", erläutert Prof. Hildebrandt-Stramann. Noch zu häufig würde nicht mehr darin gesehen, als den Bewegungsdrang der Kinder und Jugendlichen abzubauen oder mit Pausen den Rhythmus des Schulalltags zu gestalten, so der Experte. Vor dem Hintergrund reformpädagogischer Ansätze, die Schule als Lebens-, Lern- und Erfahrungsraum zu verstehen, sollten Bewegung und Spiel auch außerhalb des Sportunterrichtes als wesentlicher Faktor in der Lern- und Unterrichtskultur begriffen werden, fordert Hildebrandt-Stramann. Gerade die Ganztagsschulen sollten nach Meinung des Sportwissenschaftlers ein umfängliches Verständnis von Bewegung entwickeln und diese als Chance begreifen, ihren erzieherischen Ansprüchen besser gerecht zu werden.
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