"Bündnis für Erziehung sendet zum Start ein Signal der Ausgrenzung"

"Ursula von der Leyens diplomatisches Ungeschick hat einer guten Idee einen kapitalen Fehlstart beschert. Die Bundesfamilienministerin hat zum Start des Bündnisses für Erziehung exklusiv die christlichen Kirchen eingeladen", kommentierte Norbert Hocke, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), den Auftakt des "Bündnisses für Erziehung" in Berlin.

20.04.2006 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

"Deutschland ist kein Gottes-, sondern ein säkularer Staat, dessen Wertesystem auf den universellen Menschenrechten aufgebaut ist. Deshalb ist es falsch, dass die anderen großen Religionsgemeinschaften in Deutschland, aber auch Jugendliche, Eltern, Erzieher und Lehrer, bei diesem Treffen außen vor bleiben. Damit sendet der heutige Wertegipfel leider ein Signal der Ausgrenzung, nicht der Integration aus." Dennoch sei die GEW grundsätzlich zum Dialog über eine Wertevermittlung in den Bildungseinrichtungen bereit – wenn alle gesellschaftlichen Akteure miteinbezogen werden.

Respektvoller und friedfertiger Umgang miteinander sei zum Beispiel davon abhängig, dass alle jungen Menschen in Kindergärten und Schulen gleichermaßen das Gefühl haben könnten, sie seien willkommen und gleich viel wert, gleichgültig ob arm oder reich, mit oder ohne deutschen Pass. Gerade diese "ganz grundsätzliche und prägende Erfahrung" könnten aber viele Kinder und ihre Eltern nicht machen. "Wenn – wie in Bayern - damit gedroht wird, schon Sechsjährige bei schlechten Deutschkenntnissen sofort in eine Sonderschule abzuschieben, erleben Kinder und ihre Eltern im Bildungswesen Ausgrenzung von Beginn an," erklärte Hocke.

Der verpatzte Auftakt des Bündnisses sei umso unverständlicher, weil das Bündnis für Erziehung ein Teilprojekt der unter Ursula von der Leyens (CDU) Amtsvorgängerin, Renate Schmidt (SPD), ins Leben gerufenen "Allianz für Familie" sei. Aus Sicht der GEW zeichnete sich die "Allianz für Familie" von Anfang an dadurch aus, dass alle gesellschaftlichen Kräfte zusammengeführt wurden, um in einer Vielzahl von Aktionen die Lebensbedingungen von Kindern, Vätern und Müttern zu verbessern. Herausragend dabei sind die lokalen Bündnisse, in denen vor allem Unternehmen und Gewerkschaften neue Wege beschreiten, Erziehung und Beruf besser miteinander vereinbaren zu können. Dass Ministerin von der Leyen mit ihrer Einladung an die beiden christlichen Kirchen jetzt ausgerechnet bei dem Thema Werteerziehung diesen Weg der Gemeinsamkeit verlassen hat, ist nach Auffassung der GEW in höchstem Maße irritierend.


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