Bündnis für Werteerziehung gegründet
Im Land Brandenburg hat sich ein Bündnis für Werteerziehung gegründet. Ins-gesamt 34 Einrichtungen und Verbände, darunter die Kirchen, Gewerkschaften, Landtagsfraktionen, Wirtschafts- und Sportverbände sowie Kultureinrichtungen haben heute gemeinsame Grundsätze zur Werteerziehung unterzeichnet und die weitere Zusammenarbeit verabredet.
11.07.2007 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes BrandenburgDer Minister für Bildung, Jugend und Sport, Holger Rupprecht, zeigte sich hoch erfreut über den Schulterschluss von verschiedenen gesellschaftlichen Kräften zum Thema Werteerziehung. "Die Erziehung unserer Kinder und Jugendlichen und die Vermittlung von Werten geht uns alle an. Sie kann nicht allein Sache von Familie, Schule oder Einzelnen sein. Und Erziehung und Wertevermittlung stellt alle daran Beteiligten immer wieder vor große Herausforderungen, heute und auch in Zukunft. Vor diesem Hintergrund ist mir eine verstärkte und vor allem auch dauerhafte Beschäftigung mit der Vermittlung von Werten, Normen und Tugenden in der Erziehung ein zentrales Anliegen. Der Runde Tisch bietet die Chance, einen breiten gesellschaftlichen Konsens über Grundsätze der Erziehung im Land Brandenburg zu erreichen und gleichzeitig nach Möglichkeiten zu suchen, wie die Arbeit von Schulen, von Jugendverbänden, von Sportvereinen, von Ausbildungsstätten und von Kultureinrichtungen enger mit dem Erziehungsauftrag verknüpft werden kann. Weitere Partner sind hierzu herzlich eingeladen. Zentrale Aspekte dabei sind: Wertevermittlung gelingt nur durch Respekt und Anerkennung von Kindern und Jugendlichen sowie durch Teilhabe. Und schließlich: Werteerziehung braucht das gute Beispiel , Erziehung braucht Vorbilder. Das gilt es zu stärken."
Prof. Dr. Wolfgang Huber, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz machte klar, dass "die Kenntnis von Geistes- und Naturwissenschaften ebenso wichtig ist wie das Orientierungswissen. Kinder und Jugendliche brauchen eine Urteilssicherheit in den ethischen Fragen, die sich an der Würde des Menschen ausrichten muss. Das christliche Menschenbild, das die evangelische Kirche in das Bündnis für Werte in der Erziehung einbringt, ist dafür ein wichtiges Kriterium."
Der Vorsitzende des Brandenburger Landkreistages, Karl-Heinz Schröter, erinnerte an das Goethe-Zitat: "´Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.´ Nach dem PISA-Schock wollten wir vor allem den Wissens-Input für unsere Kinder verbessern. Doch Erziehung ist das Fundament jeder Bildung. Wissen ohne Erziehung läuft leer", begrüßte Schröter die Verständigung auf Werte in der Erziehung.
Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs begrüßte ebenfalls die Unterzeichnung der gemeinsamen Grundsätze. "Die Verständigung über einen gemeinsamen Canon der Werteerziehung in einer offenen, pluralistischen Gesellschaft bietet für die erfolgreiche Gestaltung der pädagogischen Prozesse eine wichtige und unverzichtbare Grundlage. Die inhaltliche Fundierung der Wertevermittlung muss aber ergänzt werden um die Erhöhung der Wertschätzung der Erziehung in unserer Gesellschaft. Dies schließt die Anerkennung der pädagogischen Professionen und die Fragen nach den förderlichen Rahmenbedingungen für eine gelingende Wertevermittlung ein. Werteerziehung ist einerseits eine unverzichtbare Verpflichtung unserer Gesellschaft und Voraussetzung für ihr Gelingen, andererseits haben unsere Kinder und Jugendlichen einen Anspruch auf Erziehung. Die GEW Brandenburg wird sich in diesen Dialog und Diskurs auch zukünftig engagiert einbringen. Fachtagungen zur Wertevermittlung und vielfältige Fort- und Weiterbildungsangebote für Pädagoginnen und Pädagogen sind konkrete Beispiele für unser Engagement."
Dr. Hinrich Enderlein, Vorsitzender des Landesmusikschulverbandes, betonte, dass "es besonders wichtig ist, dass wir mit den gemeinsamen Grundsätzen für Werte in der Erziehung die jungen Menschen zu eigenständigen Persönlichkeiten erziehen und bei ihnen für eine Gesellschaft ohne Feindbilder werben. Wer ohne Feindbilder aufwächst, hat von Beginn an Achtung vor der Persönlichkeit des anderen und seinen Anschauungen. Erst die eigenständige Persönlichkeit hat die Souveränität aktive Toleranz zu üben und muss sich nicht mit der Projektion von Feindbildern selbst beweisen. Das gemeinsame Musizieren im Ensemble ist dafür ein besonders geeignetes Erfahrungsfeld."
Die 34 Partner haben sich darauf verständigt, dass der Runde Tisch Werteerziehung fortgeführt werden soll. Im Herbst wird es ein weiteres Treffen geben, bei dem geprüft werden soll, welche der Partner gemeinsame Projekte zur Werteerziehung und -vermittlung starten können. Parallel dazu wird es eine Fachveranstaltung in Potsdam unter dem Titel "Entscheiden, was richtig ist – Menschen brauchen Werte" geben, die das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport vorbereitet.
Am 5. Dezember 2006 hatte Minister Holger Rupprecht die Debatte zur Werteerziehung mit einer Podiumsdiskussion zum Thema "Erziehung ohne Wert(e)?" eröffnet. Bei dieser Veranstaltung hatten Ulrich Schneekloth, Mitverfasser der aktuellen deutschlandweiten Shell-Jugendstudie, und Dietmar Sturzbecher, verantwortlich für die neueste Brandenburger Jugendstudie, eine Bilanz über die heutige junge Generation gezogen, über ihre Vorstellungen von Zukunft, ihre persönliche und berufliche Perspektive, ihre Lebensprinzipien. Der Runde Tisch zur Werteerziehung mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens u.a. aus der Politik, den Kirchen, den Gewerkschaften, der Wissenschaft, der Kultur, dem Handwerk, den Unternehmen, dem Sport, der Wohlfahrt, sowie Vertreter der Eltern, Schüler und Lehrer hatte sich erstmals am 11. Dezember 2006 getroffen.
Weitere Informationen gibt es unter www.mbjs.brandenburg.de
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