Deutscher Jugendliteraturpreis 2006

Der Deutsche Jugendliteraturpreis wurde am 6. Oktober 2006 zum 51. Mal verliehen. Bundesministerin Ursula von der Leyen gab die Preisträger 2006 auf der Frankfurter Buchmesse bekannt.

07.10.2006 Pressemeldung Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.

Dabei betonte sie: "Seit 50 Jahren bildet der Deutsche Jugendliteraturpreis mit seinen Sparten einen hervorragenden Fundus für Aktionen der Leseförderung. Die ausgezeichneten Bücher begeistern junge Leserinnen und Leser in ganz Deutschland, aber auch Eltern, Lehrer oder Bibliothekare können sich auf die Auswahl der Jury verlassen: Die nominierten und prämierten Bücher sind bester Lesestoff. Mit der Sparte Bilderbuch starten wir die Leseförderung: Denn das Vorlesen, das Betrachten von Bildern und das Sprechen über Geschichten macht nicht nur Spaß und vermittelt Geborgenheit, sondern es trägt auch erheblich zur Sprachentwicklung bei. Geschichten lassen Bilder im Kopf entstehen, der Fantasie freien Lauf. Die Sparten Kinder- und Jugendbuch sichern, dass Kinder und Jugendliche Lesen nicht als Pflicht erleben, sondern Spaß haben und die Sachbuchsparte garantiert spannende Wissensvermittlung."

Zur Preisverleihung fanden sich über 1.000 Gäste aus dem In- und Ausland im Saal Harmonie des Congress Centers ein; darunter befand sich neben zahlreichen Autoren, Illustratoren, Übersetzern und Verlegern auch Petra Roth, die Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Fernsehjournalistin und Autorin Petra Gerster.

Der mit 10.000 Euro dotierte Sonderpreis für das Gesamtwerk einer deutschen Illustratorin wurde an Rotraut Susanne Berner vergeben. Die Jury würdigte damit Berners künstlerisches Werk, mit dem sie "neue Maßstäbe der Illustration und Gestaltung" gesetzt hat: "Sie ist eine Künstlerin, die hohe Ansprüche an ihre Arbeit stellt und niemals den bequemen Weg wählt. Mit ihren Einfällen hält sie die Welt in Bewegung; denn was sie zeichnet braucht wie auf wunderbare Weise keine Schwerkraft."

In den Kategorien Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch wurde je ein Preis in Höhe von 8.000 Euro verliehen. Die Kritikerjury zeichnete das Bilderbuch Gehört das so??! von Peter Schössow aus. Der Hamburger Illustrator "erzählt in seinem melancholisch-lakonischen Alltagsdrama ganz unsentimental von der stummen Hilflosigkeit im Umgang mit der Trauer anderer. Ein ungewöhnliches, ausnehmend gelungenes Trauerbuch, das endlich einmal Wut als Gefühl zulässt und dem Betrachter viele Freiräume eröffnet".

Sieger in der Sparte Kinderbuch wurde Lilis Leben eben von Valérie Dayre. Das Buch der Französin ist wie ein Vexierspiel: "Kaum meint man, die ersten verschlungenen Fäden aus Realität und Träumerei, Wahrheit und Erfindung entwirrt zu haben, steht man vor dem nächsten Rätsel. Haben ihre Eltern die 12-jährige Lili auf der Fahrt in die Ferien tatsächlich und mit Bedacht an der Raststätte zurückgelassen? - Der von Maja von Vogel mit feinem Gespür übersetzte Roman fasst die Befindlichkeiten beim Übergang zur Pubertät in ein irritierend bedrückendes Szenario."

Den Preis für das beste Jugendbuch erhielt Dolf Verroen für Wie schön weiß ich bin. Die 12-jährige Maria lebt auf einer Teeplantage im Surinam des 19. Jahrhunderts. "In 40 kurzen, nach Art von Prosagedichten arrangierten Episoden erzählt sie mit einfältiger Unbedarftheit vom Leben auf der Plantage und vom Umgang mit den Sklaven. Die unreflektierte Selbstverständlichkeit, mit der das Mädchen das rassistische Gewaltverhältnis wahrnimmt und schildert, irritiert und provoziert den Leser. Dolf Verroen entwirft eine völlig neue literarische Form der Auseinandersetzung mit einem wichtigen historischen Thema. Er hat dafür eine ganz leichte, von Rolf Erdorf ins Deutsche übertragene Sprache gefunden, die im krassen Gegensatz zum bedrückenden Inhalt steht.

In dem prämierten Sachbuch "Denk nicht, wir bleiben hier!" hat Anja Tuckermann die Lebensgeschichte des Sinto Hugo Höllenreiner aufgeschrieben, ohne sich kommentierend einzumischen. "Entstanden ist ein authentisches Zeitzeugnis, schonungslos und beeindruckend, ein tief berührender Text über ein lange tabuisiertes Thema. Anja Tuckermann gelingt es einfühlsam und versiert, ihre Erzähl-Methode dem Menschen Höllenreiner gemäß zu gestalten. Hieraus entsteht eine neue Qualität biografischen Schreibens."

Der Preis der Jugendjury, der ebenfalls mit 8.000 Euro dotiert ist, ging an den englischen Autor Kevin Brooks. Sein von Uwe-Michael Gutzschhahn übersetzter Roman Lucas ist die Geschichte einer Ausgrenzung. "Die 15-jährige Cait lebt mit ihrem Vater auf einer kleinen Insel. Ihr Leben ändert sich schlagartig, als plötzlich Lucas auftaucht. Cait ist vom ersten Augenblick an von ihm fasziniert. Aber Lucas ist auf der Insel nicht willkommen. Und dann beginnt eine Hetzjagd auf Leben und Tod. Besonders erschreckend ist die unterschwellige Schilderung von Gewalt. Ein bemerkenswertes Buch, das uns die tiefen Abgründe menschlichen Verhaltens herzergreifend vor Augen führt."

Sie finden uns auf der Frankfurter Buchmesse in Halle 3.0, K 375, Tel. (069) 7575 43060.

Link

Deutscher Jugendliteraturpreis 2006

Ansprechpartner

Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.
Metzstraße 14c
81667 München
Web: http://www.jugendliteratur.org

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