Dicke Luft in Deutschlands Schulen: CO2-Konzentration in den Klassenräumen zu hoch
(redaktion/pm) Es klingt banal: Wenn Schülerinnen und Schüler vernünftig lernen sollen, brauchen sie Sauerstoff. Doch tatsächlich herrscht in deutschen Klassenzimmern dicke Luft. Eine Studie der Universität Bremen an drei Schulen hat bestätigt, dass die CO2-Konzentration in den Klassen weit über jeglicher Toleranzgrenze liegt. Die Bremer Schulforscher Professor Hans-Georg Schönwälder und Dr. Gerhart Tiesler vom Institut für interdisziplinäre Schulforschung (ISF) im Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften fordern deshalb sofortige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen von Schülern und Lehrern. Der Clou: Die Vorschläge sind einfach umzusetzen und kosten kein Geld.
25.04.2008 ArtikelDie Wissenschaftler haben an zwei Schulen in Bremen und einer Schule in Niedersachsen die Kohlendioxid-Konzentration in den Klassen gemessen. Das Ergebnis: Im Unterrichtsverlauf wächst in der Regel die CO2-Konzentration der Atemluft über das seit langem akzeptierte Maß von 1000 ppm (parts per million) hinaus an. Auch die gerade noch laut DIN 1946 zu tolerierende Grenze von 1500 ppm wird vielfach verletzt. Schon lange ist bekannt, dass die Zahl von 1000 ppm CO2 die Grenze bildet, von der an Unwohlsein, Kopfschmerz, Unaufmerksamkeit bis hin zu Konzentrationsstörungen zunehmend häufiger auftreten.
Diese zunächst nur plausiblen Schlüsse wurden in neuerer Zeit durch Untersuchungen seitens der NASA bestätigt. Aus dem Vergleich kontinuierlicher Vorher-Nachher-Messungen, vor allem der Entwicklung der CO2-Konzentration im Unterricht, konnten die Bremer Wissenschaftler in ihrem Projekt "Gesundheitsfördernde Einflüsse auf das Leistungsvermögen im schulischen Unterricht - ein Beitrag zur Ergonomie der Schule" höhere Ermüdungswerte und niedrigere Aufmerksamkeitsleistungen bei hoher CO2-Konzentration nachweisen. Diese negativen Effekte traten überdeutlich in 90minütigen Unterrichtseinheiten auf, aber auch in jeder 45minütigen Unterrichtsstunde.
Die Lösung heißt: Fenster öffnen. Bereits zwei- bis dreiminütige Lüftungspausen zur Hälfte jeder Unterrichtsstunde - ergänzt um fünf Minuten Lüftungspause zur Teilung von Doppelstunden - verbessern die Arbeitssituationen im Unterricht entscheidend. Der Dank für die frische Luft lautet: erhöhte Aufmerksamkeit bei gleichzeitig geringerer Beanspruchung der Schüler (gemessen über die Herzfrequenz), geringerer Lärmpegel und intensivere, an den Inhalten des Unterrichts orientierte Kommunikation.
Durch bessere Arbeitsbedingungen werde in den Schulen besser gelernt und zugleich sinke das Risiko für Schulunfälle aus ermüdungsbedingter Unachtsamkeit. "Der Aufwand ist gering, der Effekt groß", stellen Schönwälder und Tiesler fest und fordern Behörden und Schulen auf, aktiv zu werden.
Weiterführende Links
- Projekt: Gesundheitsbelastende Einflüsse auf das Leistungsvermögen im schulischen Unterricht
Keine Kommentare vorhanden