Die Arbeit mit Kindern genießt gesellschaftlich wenig Ansehen
Mit rund 90 Prozent ist der Frauenanteil an den Grundschulen in Baden-Württemberg sehr hoch. Hier über eine Frauenquote nachzudenken, hieße Eulen nach Athen zu tragen, stellt der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg fest. Trotzdem sind Führungspositionen an Grundschulen mehr mit Männern besetzt als mit Frauen. Da bei der Neubesetzung von Funktionsstellen häufig nur ein Bewerber vorhanden ist, würde eine Quote im Sinne der Frauenförderung womöglich noch verhindern, dass es überhaupt eine neue Führungskraft an dieser Schule gibt.
02.03.2011 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergSchon lange haben die Frauen im Bildungs- und Erziehungsbereich die absolute Mehrheit erobert. Männer sind vor allem im Elementar- und Primarbereich die absolute Ausnahme. Dem VBE liegt es fern, die qualifizierte und engagierte Arbeit der Lehrerinnen abzuwerten; es ist für die stabile, emotionale Entwicklung der Kinder jedoch nicht förderlich, wenn sie vom Kindergarten bis zum Ende der Grundschule ausschließlich weibliche Bezugspersonen haben und das männliche Element Seltenheitswert besitzt.
Männer, die in der Grundschule oder im Kindergarten arbeiten, haben Seltenheitswert, trotzdem werden mehr Männer Schulleiter als Frauen - hier kommt noch das alte Rollenbild zum Tragen. Allgemein genießt die Arbeit mit Kindern gesellschaftlich wenig Ansehen. Wenn die Gesellschaft mehr Männer als "Kindergärtner" oder Grundschullehrer gewinnen will, müssen das Berufsbild Erzieher und Lehrer aufgewertet und attraktivere Arbeitsbedingungen angeboten werden. Dies beinhaltet eine angemessene Besoldung und die Möglichkeit des beruflichen Aufstieges. Während Mediziner oder Juristen stolz auf Ihre Profession sind, fehlt Lehrern diesbezüglich bisweilen das nötige Selbstbewusstsein. Mit verantwortlich für die Zurückhaltung der Pädagogen, sich in geselliger Runde als Lehrkraft zu outen, ist, dass Lehrer in der Öffentlichkeit immer wieder gerne als "Halbtagsjobber" und "Ferienweltmeister" dargestellt werden. Trotzdem erwartet man von der Schule die Lösung aller gesellschaftlichen Probleme, traut den Lehrern aber gleichzeitig nur wenig oder gar nichts zu.
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