E-Learning war einmal – Netzwerklernen kommt

Die LEARNTEC geht 2007 als führende Kongressmesse für Bildungs- und Informationstechnologien in die 15. Runde. Die Szene gratuliert zum Jubiläum und ist sich einig: "Die Zeit des klassischen E-Learning ist vorbei". Das klingt paradox, beschreibt jedoch treffend, dass digitales Lernen und Wissensmanagement längst nicht mehr in die enge Schublade "E-Learning" passen. Zwei Vordenker der Branche erklären warum: Hermann Maurer, Vorstand und Professor am Institut für Informationssysteme und Computer Medien der Techni¬schen Universität Graz, und Joachim Hasebrook, wissenschaftlicher Direktor und Professor an der International School of New Media an der Universität zu Lübeck. Der Frage, wie neue Technologien unser Leben und Arbeiten revolutionieren werden, gehen Maurer und Hasebrook auf der LEARNTEC 2007 weiter auf den Grund.

09.11.2006 Pressemeldung

Lernen als Jobziel Nummer eins

"Fakt ist, dass Lernen immer weiter mit den täglichen Arbeitsprozessen von Unternehmen verschmelzen wird", erklärt Joachim Hasebrook. "Lernen nach der Power-Point-Methode, bei der Experten vorstrukturiertes Wissen in leicht verdaulichen Häppchen darreichen, wird den Anforderungen der modernen Arbeitswelt nicht mehr gerecht." Informationen würden so aus dem Arbeitsprozess herausgelöst und zu nutzlosen Brocken zerlegt. Außerdem ließe sich aufgrund immer kürzerer Innovationszyklen kaum mehr absehen, mit welchem Produkt oder Service ein Unternehmen in fünf Jahren den Markt bestreitet. "Die vorsorgliche Aneignung von Wissen, Kernelement des klassischen E-Learning, ist damit hinfällig", betont Hasebrook. "Arbeiten wird künftig zum größten Teil aus selbst gesteuertem, informellen Lernen bestehen, gestützt durch moderne digitale Technologien."

Erste Schritte in diese Richtung zeichnen sich bereits ab. Studien zeigen, dass digitale Lösungen der Generation Web 2.0 wie Wikis oder Weblogs bereits im Unternehmensalltag Fuß fassen. Informelles Lernen in sozialen Netzwerken gewinnt damit an Bedeutung.

Jedoch nicht ohne Risiko: "In offenen Enzyklopädien wie Wikipedia werden Fehler zwar in spätestens vier Stunden gefunden, weil auch viele Experten darauf zugreifen", meint Hasebrook. "Allerdings handelt es sich dabei nicht mehr um stabiles Expertenwissen, sondern um eine Vielzahl von Anschauungen und Diskussionen, die die Informationen ständig verändern." Die entscheidenden Informationen hätten in Zukunft daher nicht mehr einzelne Experten sondern selbstorganisierte Expertennetzwerke.

Hyper-Computer als Dreh- und Angelpunkt

Dass Lernen und Wissensvermittlung nie allein über Computernetzwerke laufen können, betont auch Hermann Maurer: "Lernprozesse nach dem Trial and Error-Verfahren, wie sie im menschlichen Hirn stattfinden, wird der Computer nie ganz ersetzen können. Das merkt man spätestens, wenn man ohne GPS nicht mehr den Weg zum Bäcker um die Ecke findet." Die Fäden zwischen einzelnen Informationen müsse der Mensch zusammenhalten. "Allerdings werden Hyper-Computer im Handy-Format künftig in einem Maße unser Leben prägen, dass sich die Frage aufdrängt, was der Mensch überhaupt noch lernen muss", ist sich Maurer sicher.

Der Hyper-Computer werde alles in einem sein: Mobilfunkgerät, Kamera, Tonträger, Rechner und Projektor. Bald könne man jederzeit für Dritte unbemerkbar jede beliebige Information abrufen. "Wir fragen per Stimmerkennung, der Computer projiziert die Antwort ausschließlich für unsere Augen: entweder unmittelbar durch die Pupillen auf unsere Retina oder direkt vor uns, nämlich als Bild, das nur für die eigene Brille sichtbar ist. Dabei ist es ganz gleich, ob wir gerade Arzt im OP oder Wanderer durch die Botanik sind", erklärt der Informatiker. Maurers Visionen, die er als Science-Fiction-Autor zum Stoff vieler Romane gemacht hat, sind bereits auf dem Weg in die Realität: So entwickelt etwa die kanadische Firma ePI Lab den Eye Tap, eine winzige Linse, die direkt vorm Auge getragen wird und Kamera und Display in einem ist. In Europa entstand ein erster Prototyp an der Königlichen Technischen Hochschule Stockholm.

Tabula Rasa am Arbeitsplatz

"Unser Arbeitsumfeld wird sich aufgrund der technischen Möglichkeiten drastisch verändern", prognostiziert Maurer weiter. "Monitore und Papier werden gänzlich von unseren Schreibtischen verschwinden und durch elektronisches Paper ersetzt." Auf sogenanntem ePaper aus elektrisch leitendem Kunststoff lasse sich per Knopfdruck bequem durch jedes noch so dicke Dokument blättern. Verschiedene Anbieter wie Sony oder Seiko-Epson bieten bereits erste Modelle an. "Langfristig wird man deshalb auch davon abkommen, Kindern überhaupt noch das Schreiben per Hand beizubringen", nimmt er an. "In Untersuchungen mit Schülern haben wir festgestellt, dass viele Kinder schon heute nicht mehr in der Lage sind, einen Bleistift vernünftig zu halten. Sie sind dafür längst Profis im Bedienen einer Maus."

Die Expertenstimmen machen deutlich: Das Ende des E-Learning mag in Sicht sein, die Entwicklung intelligenter Wissensmanagement- und Lerntechnologien, die auf die Herausforderungen der technisierten und globalisierten Welt zugeschnitten sind, steht noch am Anfang. Die neuen Hardware-Lösungen werden dieser Entwicklung neuen Schub verleihen.

Weitere Ansätze für die Berichterstattung

• Interview mit Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Hermann Maurer vom Institut für Informationssysteme und Computer Medien der Technischen Universität Graz
• Interview mit Prof. Dr. Joachim Hasebrook von der International School of New Media an der Universität zu Lübeck

Termine

• Prof. Dr. Joachim Hasebrook spricht am 13. Februar auf der LEARNTEC 2007 zum Thema "Integration von Zukunftstechnologien in die Praxis".
• Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Hermann Maurer hält am 14. Februar auf der LEARNTEC 2007 eine Key-Note zu "Neue Technologien verändern das Lernen und die Gesellschaft – wo geht die Reise hin?".

LEARNTEC 2007

Die LEARNTEC 2007 findet vom 13. bis 15. Februar in der Messe Karlsruhe statt und steht unter dem Thema "Lernfähigkeit von Unternehmen". Gegründet 1992, ist die LEARNTEC die bundesweit älteste und größte Kongressmesse für den Einsatz von Informations- und Bildungstechnologie sowie für Wissensmanagement. Sie bringt Entscheider und Praktiker aus Politik, Wirtschaft und Hochschule zusammen. Ein hochwertiges Kongressprogramm zeigt strategische Leitlinien in Wirtschaft sowie Hochschulen und bringt mit Fallstudien konkrete Anregungen für die Optimierung von Geschäftsprozessen durch E-Learning und Wissensmanagement. Für die im Kongress diskutierten Konzepte und Case Studies finden die Besucher auf der Fachmesse die passenden Lösungen und Produkte. Auf der Fachmesse können sich die Anwender über Trends und Entwicklungen des E-Learning-Marktes sowie über zielgruppenspezifische oder individuelle Umsetzungsmöglichkeiten informieren.

Kontakt für Journalisten

LEARNTEC Pressereferentin
Kristin Ewald
Tel.: +49 721 3720-5357

Inga Schlichting
Mann beißt Hund –
Agentur für Kommunikation
Tel.: +49 40 890 696-14


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