"Eltern und Lehrer wollen zusammenarbeiten"
(bikl) Das Lehrerhasserbuch der Berliner Autorin Gerlinde Unverzagt verschwindet aus den Schlagzeilen - aber auch aus den Köpfen der Lehrer und Eltern? bildungsklick.de fragte den Vorsitzenden des Bundeselternrats, Wilfried Steinert, nach den Auswirkungen des Buches und möglichen Konsequenzen für den Schulalltag.
20.03.2006 ArtikelHerr Steinert, könnte sich die Reihe der Hasserbücher fortsetzen, etwa mit einem Elternhasserbuch?
Steinert: Ja das könnte man sich fragen, aber diese Polemik bringt überhaupt nichts. Die Beispiele in dem Buch sind sicher alle so gewesen, aber das sind Einzelbeispiele. Entscheidend ist: Bildung müssen wir gemeinsam gestalten und wir müssen uns gegenseitig ernst nehmen. Eltern müssen die Lehrer und Lehrer die Eltern ernst nehmen. Denn dies sind zwei Seiten einer Medaille. Die Eltern sind die Experten für ihr Kind und sie haben das Recht, das Beste für ihr Kind zu wollen und die Lehrer sind die Experten für Erziehung und Bildung, für Pädagogik. Und sie haben das Recht, daraufhin auch die Eltern anzusprechen. Zusammen wird ein Schuh draus.
Hat das Buch und die damit einhergehende Diskussion Auswirkungen gehabt auf das Verhältnis von Eltern und Lehrern?
Steinert: Überall dort, wo sowieso schon Spannungsverhältnisse sind, ist das Wasser auf die Mühlen. Man fühlt sich in seinen Vorurteilen bestätigt. Es ist ein schlechter PR-Gag aber bringt in der Bildung wirklich nicht weiter.
Sie kennen beide Seiten: Sie sind Lehrer und Sie sind Elternvertreter und wissen, dass es Probleme gibt. Ist denn das Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern wirklich so kompliziert?
Steinert: Es ist tatsächlich ein Problem, dass Lehrer nicht in Gesprächsführung, in Beratung und für den Umgang mit Eltern ausgebildet sind. Sie müssen selbstbewusst genug zu sein, zu erkennen, dass kritisierende Eltern etwas Besseres für ihre Kinder wollen und das wollen wir als Lehrer ja genauso. Und - wenn ich jetzt in die Rolle des Vaters schlüpfe - wenn ein Lehrer etwas von mir erwartet und sagt „Sie müssten noch mal mit dem Kind zu Hause üben“, dann muss ich mich ja nicht gleich angegriffen fühlen, sondern es ist ein Hinweis darauf, dass der Junge in der Schule besser werden könnte, wenn er noch ein bisschen üben würde. Und warum soll ich das als Vater nicht unterstützen?
Wie könnte denn das Verhältnis zwischen Lehrern und Eltern entkrampft werden?
Steinert: Das erste wäre, dass grundsätzlich bei allen Gesprächen zwischen Lehrern und Eltern die Kinder dabei sind. Weil das sofort das gesamte Klima verändert. Dann wird nämlich deutlich, dass es um das Kind geht und nicht um irgendwelche Machtspielchen oder Verletzlichkeiten zwischen Lehrern und Eltern. Das zweite: Die Lehrer müssten in der Weiterbildung qualifiziert werden – in Teamfähigkeit und Beratungskompetenz. Im Grunde genommen muss die gesamte Lehrerausbildung völlig umgestellt werden. Und es muss bereits in der Ausbildung Möglichkeiten geben, solche Beratungssituationen zu trainieren, auch den Umgang mit Kritik einzuüben.
Glauben Sie, dass das Buch das Verhältnis zwischen Eltern und Lehrer beeinflusst hat?
Steinert: Ich mache die Erfahrung, dass es eher als eine Karikatur genommen wird. Es sind viele kleine Geschichten, die man sich erzählen kann, die aber nicht die tatsächliche Lebensrealität ausmachen. Es bestätigt leider manche Vorurteile, aber im Prinzip wollen Eltern und Lehrer zusammenarbeiten.
Link:
Lehrerhasserbuch: Klage gegen Autorin
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