Entwicklung einer Verantwortungskultur des Hinschauens
Im Hinblick auf den gerade noch verhinderten Amoklauf in Köln und ähnliche Vorfälle in der Vergangenheit hat der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, Eltern, Lehrer und Schüler dazu aufgefordert, gemeinsam eine Verantwortungskultur des Hinschauens zu entwickeln, um mögliche Signale der Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen rechtzeitig zu erkennen und zu thematisieren.
20.11.2007 Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)Der DPhV-Chef erläuterte: "Es gibt kein Patentrezept gegen Jugendgewalt und für eine wirksame Gewaltprävention. Aber es ist ganz sicher notwendig, sowohl in den Familien, aber auch an den Schulen und in Jugendeinrichtungen eine stärkere Kultur des Hinsehens zu entwickeln. Es ist wichtig, dass jeder erkennt, dass er eine Verantwortung für den anderen hat und dass vor Auffälligkeiten bei einzelnen Jugendlichen wie Verschlossenheit, Rückzug aus der Gemeinschaft, Flucht in gewaltverherrlichende Medienwelten und Computerspiele und verstörenden Internetbot-schaften nicht die Augen verschlossen werden."
In diesem Zusammenhang kritisierte Meidinger erneut die in Deutschland besonders geringe Versorgung von Schulen mit Schulpsychologen. Gerade Schulpsychologen könnten beim Aufbau von Netzwerken zur Gewaltprävention an Schulen eine zentrale Aufgabe übernehmen. Der Verbandsvorsitzende wies allerdings darauf hin, dass in erster Linie die Eltern gefordert seien. "Niemand beobachtet Persönlichkeits-veränderungen bei Jugendlichen genauer und eher als die jeweiligen Eltern. Ich appelliere deshalb an alle Eltern, bei dramatischen Auffälligkeiten und Problemen den Kontakt zur Schule bzw. zu Schulpsychologen zu suchen und nicht zu versuchen, alles alleine lösen zu wollen", betonte Meidinger.
Verärgert reagierte der DPhV-Vorsitzende auf die Forderung von Klaus Jansen, Vorsitzender des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, den Zusammenhang zwischen Gewalt und der Schulform Gymnasium zu untersuchen. "Es ist völliger Unsinn, die Ursachen von Amokläufen in bestimmten Schulformen zu suchen. Selbst das pädagogische Musterland Finnland ist, wie wir leider vor kurzem erleben mussten, vor diesen schrecklichen Ereignissen nicht geschützt. Solche haltlosen Behauptungen zu verbreiten ist verantwortungslos und dumm", sagte Meidinger.
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