Es sind Kinder dieser Gesellschaft
"Dass Schüler sich Waffen besorgt haben und diese offenbar gezielt gegen Mitschüler und Lehrer einsetzen wollten, lässt in uns Entsetzen und ein Gefühl von Hilflosigkeit zurück", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft VBE NRW. "Glücklicherweise konnte die in Köln geplante Tat verhindert werden. Es bleibt aber die Frage nach dem Warum."
19.11.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRWIm Zusammenhang mit den Ereignissen in Erfurt im April 2002, denen in Emsdetten vor einem Jahr und der vergangenen Samstag vereitelten Tat wird häufig der Begriff "Amoklauf" benutzt. In Wirklichkeit handelte es sich dabei aber immer um gezielt geplante Gewalttaten und nicht um das unkontrollierte "Ausrasten" von Menschen. Der Gedanke, sich an Mitschülern und Lehrern für vermeintlich oder tatsächlich erlittenes Unrecht zu rächen, lässt bei diesen Jugendlichen offenbar jede Hemmschwelle aufbrechen. Die Diskussionen darüber drohen dann zu einem Kreislauf der Schuldzuweisung zu werden. Als vermeintlich Schuldige werden je nach Perspektive "die Medien", "die Institution Schule" oder "die Familie" ausgemacht.
"Die jungen Menschen, die solche Taten planen, sind Kinder unserer Gesellschaft", so Beckmann weiter. "Die Frage ist, was sie dazu bewegt, mit den Regeln dieser Gesellschaft zu brechen und Konfliktbewältigung mit Gewalt betreiben zu wollen."
Die Kölner Jugendlichen waren bereit, andere Menschen zu töten oder zu verletzen. Sie waren wie seinerzeit die jungen Männer in Erfurt und Emsdetten aber offenbar auch genauso bereit, ihrem eigenen Leben ein Ende zu setzen.
"Was können wir tun, um das Abdriften junger Menschen zu verhindern? Auf diese Frage müssen wir nicht nur in der Schule, sondern in jedem beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld immer wieder Antworten suchen, damit nicht der gewaltbereite und am eigenen Leben desinteressierte Mensch zum Vorbild für Jugendliche wird", so Beckmann abschließend.
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