Ganztagsklassen werden weiter ausgebaut - Unterrichtsversorgung besser als je zuvor

"Bayern bleibt das Bildungsland Nr. 1 in Deutschland und baut seinen Vorsprung noch weiter aus", so Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider heute in München. "Das Bayerische Bildungswesen ist leistungsstark und gerecht! Wir lassen keinen Schüler im Stich, erwarten aber, dass jeder sich einbringen will."

25.06.2008 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

"Mit dem konsequenten Ausbau der Ganztagsschulen, der Ausweitung der Begabtenförderung, der Erhöhung der Durchlässigkeit des Schulwesens und der Stärkung der Hauptschule werden wir die sehr gute Basis weiter festigen", fasste der Minister die Beschlüsse des Kabinetts vom Vortag zusammen. Minister Schneider erinnerte auch daran, dass an den Schulen im Freistaat in den vergangenen zehn Jahren Stunden im Umfang von mehr als 9.100 Lehrerstellen zusätzlich zur Verfügung stehen.

"Außerdem ist es uns in den vergangenen Jahren gelungen, den Anteil des Unterrichts, der ersatzlos ausfällt, spürbar zu senken", so Kultusminister Schneider.

Die Staatsregierung will in den kommenden fünf Jahren auf Antrag der Kommunen die Ganztagsschulen bedarfsgerecht flächendeckend ausbauen. Im Mittelpunkt stehen dabei neben den Hauptschulen die Grund- und Förderschulen. "An den Hauptschulen ist der Bedarf am höchsten. Die Hauptschülerinnen und Hauptschüler müssen ihre Talente besser entwickeln können", so Minister Schneider.

Standorte von Ganztagsklassen werden erheblich erweitert

Bereits im kommenden Schuljahr werden an über 330 Hauptschulstandorten rhythmisierte Ganztagszüge bestehen, ebenso an 40 Grundschulen und 30 Förderzentren. Bis zum Ende der kommenden Legislaturperiode will die Staatsregierung an rund 500 Grundschulen gebundene Ganztagszüge aufbauen, begonnen wird mit deren Ausbau ab dem Schuljahr 2009/2010. "An Standorten, an denen keine gebundene Ganztagsklasse realisiert wird, wird es die erweiterte Mittagsbetreuung bis zum Nachmittag gegen 16 Uhr geben", betonte Minister Schneider. Bis zum Schuljahr 2012/2013 werden für Schüler der Jahrgangsstufen 5 und 6 an Realschulen und Gymnasien auch rhythmisierte Ganztagsklassen eingerichtet. Derzeit bestehen solche an 10 Realschulen und 12 Gymnasien. In den höheren Jahrgangsstufen werden offene Ganztagsschulen ermöglicht.

"Die Investitionen und die vielfältigen Maßnahmen, um den Unterricht sicher zu stellen, haben sich gelohnt", unterstrich Minister Schneider mit Blick auf die Ergebnisse der Erhebungen zum Unterrichtsausfall. Die Quote der ersatzlos entfallenen Unterrichtsstunden konnte an Volksschulen z.B. vom Schuljahr 1999/2000 von 2,3 Prozent auf nun 1 Prozent, also mehr als halbiert werden, die an Realschulen von 3,6 Prozent auf ein Drittel, nämlich 1,3 Prozent, gesenkt werden. "Das ist ein Erfolg unseres Weges ,Mehr Lehrer - mehr Unterricht`", so Minister Schneider.

Weiter stehe die Senkung der Höchstzahl von Schülern pro Klasse auf der Agenda. An weiterführenden Schulen solle sie bis 2013 auf 30, an Grundschulen auf 25 gesenkt werden. Ebenso wird die Klassenhöchstgrenze bei Klassen mit einem Anteil von 50 Prozent Kindern mit Migrationshintergrund auf 25 Schülerinnen und Schüler begrenzt.

Es lohnt sich, in die Hauptschüler zu investieren

Den Anteil der Hauptschüler, die an ihrer Schule den Mittleren Bildungsabschluss erwerben, will Kultusminister Schneider erhöhen. Zugleich will er, dass alle Schülerinnen und Schüler die Hauptschule mit der Ausbildungsreife verlassen. Deshalb investiere der Freistaat kraftvoll in die Hauptschule. Minister Schneider machte klar: "Hauptschule hat Zukunft. Sie ist die Schule für Handwerk, Technik und soziale Berufe." Mit dieser Zielrichtung entwickelt der Minister gegenwärtig die Hauptschule weiter - in enger Abstimmung mit der Bayerischen Wirtschaft. Derzeit besucht rund ein Drittel aller Schüler eines Jahrgangs die Hauptschule. Die Schüler sollen mehr Kompetenzen in wichtigen Fächern wie Deutsch, Mathematik und Englisch erwerben sowie das Arbeits- und Sozialverhalten stärken. Eine wichtige Rolle spiele dabei die vertiefte Berufsvorbereitung, für die im kommenden Jahr in Kooperation mit der Agentur für Arbeit über 12 Millionen Euro zur Verfügung stehen werden.

Berufliche Oberschule sichert flächendeckend zweiten Weg zum Abitur

Den zweiten Weg zum Abitur über die berufliche Bildung will Minister Schneider ausbauen und die Durchlässigkeit des Schulwesens damit nochmals erhöhen. "Zum neuen Schuljahr bauen wir die Berufs- und die Fachoberschule unter dem Dach der Beruflichen Oberschule aus", so Minister Schneider. Über die Fachoberschule können damit künftig in ganz Bayern Schülerinnen und Schüler mit Mittlerer Reife die Fachhochschul- und die Allgemeine Hochschulreife erwerben, ebenso über die Berufsoberschule, wenn sie zuvor eine Berufsausbildung absolviert haben. Mit Hilfe entsprechender Brückenangebote werden interessierte Schüler unterstützt, den Weg auch erfolgreich beschreiten zu können.

Minister Schneider betonte auch: "Es ist uns gelungen, den Anteil der Schüler, die die Schule ohne Abschluss verlassen, binnen weniger Jahre von 9,2 Prozent bis auf 7 Prozent im Schuljahr 2006/2007 zu senken. Wir werden hier weiter arbeiten, mit dem Ziel, dass jeder die Hauptschule mit Ausbildungsreife verlässt."

Nach dem Grundsatz "Alle Talente fördern" wird der Freistaat die Begabtenförderung in den kommenden Jahren konsequent ausbauen. Dazu werden wir die Diagnosekompetenz der Lehrkräfte verbessern. Außerdem wird künftig in jedem Regierungsbezirk ein Gymnasium spezielle Klassen für hochbegabte Schüler anbieten. Derzeit gibt es solche Angebote nur in Oberbayern (München und Gauting), Unterfranken (Würzburg) und Mittelfranken (Nürnberg), Angebote in Oberfranken, der Oberpfalz, Niederbayern und Schwaben werden nun realisiert. Der Modellversuch "Talentklasse", bei dem Realschüler in insgesamt neun statt zehn Jahren die Mittlere Reife absolvieren, wird von dem ersten Standort in Rosenheim auf einen zweiten Standort in Nürnberg ausgeweitet.

"Chancengerechtigkeit bedeutet für mich, ebenso Schwache für fördern wie Starke zu fordern", so der Minister abschließend.


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