Geselligkeit gibt es auch ohne Hochprozentiges
Die zunehmenden "Alkoholikerkarrieren" bereiten auch dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg große Sorgen. Immer früher machen Jugendliche, bisweilen sogar Kinder mit der "Volksdroge Nummer 1" Bekanntschaft. Wenn in der Gesellschaft keine Feier, kein Stehempfang, keine Beförderung ohne Alkohol über die Bühne gehen könne, müsse man sich nicht wundern, wenn auch Kinder und Jugendliche glauben, Alkoholisches zu benötigen, um richtig fröhlich und gesellig sein zu können, warnt VBE-Chef Karg mit Blick auf die Vorbildfunktion der Erwachsenen.
04.05.2007 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergVom Kindergeburtstag mit süß schmeckenden Alcopops bis hin zum Komasaufen Jugendlicher mit harten Drinks reiche die Palette alkoholbedingter Fehltritte, weiß der VBE-Vorsitzende; und das Einstiegsalter der Konsumenten sinke beständig. Während jedoch bei Haschisch, Ecstasy und ähnlichen Drogen bei Eltern alle Alarmglocken schrillen, werde Alkoholmissbrauch vor allem bei Jungen häufig als notwendiger Ritus zum Erwachsenwerden mehr oder weniger toleriert. Je früher der junge Mensch jedoch mit Alkohol in Berührung komme, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass er später massive Probleme damit haben werde - mit all den Folgen, mit denen die Gesellschaft heute kämpfen müsse, mahnt Rudolf Karg.
Eltern, Lehrer und das Jugendschutzgesetz können und müssen Kindern den Alkohol zwar verbieten, schaffen es jedoch nicht zu verhindern, dass diese trotzdem viel zu früh mit der "Volksdroge Nummer 1" in Berührung kommen. Deshalb sei eine gründliche und frühzeitige Aufklärung über die Folgen des Alkoholmissbrauchs erforderlich, meint der VBE-Vorsitzende.
Eltern und Lehrer sind, ob sie es wollen oder nicht, Vorbilder für Kinder und Jugendliche. Dass es Geselligkeit und Spaß auch ohne Alkohol gibt, können sich die meisten Erwachsenen nicht einmal vorstellen. Gesellschaftliche "Meilensteine" wie Jubiläen oder Geburtstagsfeiern ganz ohne Alkoholika zu begehen, sei für viele undenkbar, behauptet der VBE-Chef.
Karg hält es für richtig, wenn bei Empfängen auch nicht-alkoholische Getränke offen angeboten werden, so dass sich niemand dankend "entschuldigen" muss, der keinen Alkohol zu sich nehmen will. Feiern, die mit einem phantasievoll zubereiteten alkoholfreien Begrüßungscocktail beginnen, müssten keinesfalls langweilig und triste werden.
Wenn die Botschaft "Ohne Alkohol ist nicht automatisch Schluss mit lustig" bei jungen Menschen so ankomme, stünde einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Alkohol nichts im Wege, sagt Karg. Es gehe nicht darum, den Alkohol zu verteufeln, der, in Maßen getrunken, selbst von Medizinern gelegentlich empfohlen und auch genossen werde. Es sei aber notwendig, in den Schulen und Elternhäusern rechtzeitig auf die Suchtgefahr und die mitunter katastrophalen Folgen des Alkoholmissbrauchs hinzuweisen.
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