GEW: „Aufstieg fast ausgeschlossen“
Laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) belegt die DESI-Studie, dass das gegliederte Schulsystem in Deutschland offenbar nicht so durchlässig ist wie immer behauptet wird. „Der ‚Aufstieg’ von der Hauptschule ins Gymnasium ist so gut wie ausgeschlossen. Ausreichende Förderung der Schüler ist in den Hauptschulen offenbar nicht möglich. Die Ergebnisse der Studie kommen einem schulpolitischen Offenbarungseid gleich“, sagte Marianne Demmer, stellvertretende GEW-Vorsitzende, heute mit Blick auf die Veröffentlichung der Studie durch die Kultusministerkonferenz (KMK) am Freitag in Berlin. Die Untersuchung enthalte viele interessante Einzelaspekte zur Schulentwicklung und Lehrerfortbildung.
03.03.2006 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft„Die Hauptschulen werden vernachlässigt“, stellte Demmer fest. Lehrkräfte würden an dieser Schulart vergleichsweise schlecht bezahlt, hätten eine hohe Unterrichtsverpflichtung und müssten überproportional häufig fachfremd unterrichten. Zudem fehle es an Sozialpädagogen, schulpsychologischer Unterstützung und häufig an geeigneten Lehr- und Lernmitteln. Grundsätzlich seien verstärkte Lehrerfortbildung und intensivere Zusammenarbeit mit den Eltern zu begrüßen, als isolierte Einzelmaßnahmen der KMK reichten sie aber vorne und hinten nicht aus.
„Das Selbstvertrauen vieler Schülerinnen und Schüler an Hauptschulen ist zerstört“, sagte die Gewerkschafterin. Vermutlich müsse das pädagogische Personals nahezu verdoppelt und der flächendeckende Ausbau von Ganztagseinrichtungen mit einem reichhaltigen Sport- und Kulturangebot verbunden werden. „Ich bezweifele jedoch, dass die Gesellschaft zu diesen Investitionen bereit ist. Das längere gemeinsame Lernen ist sogar unter Kostenaspekten vernünftiger“, betonte die GEW-Sprecherin. Junge Leute würden nicht frühzeitig entmutigt. Sie könnten voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen. Mittlerweile sei auch vielfach belegt, dass die Leistungsstarken beim längeren gemeinsamen Lernen keine Nachteile haben. In leistungsgemischten Klassen sei es viel notwendiger, auf den einzelnen Schüler individuell einzugehen, als in vermeintlich homogenen Lerngruppen.
Die Studie weise nach, dass in kleineren Lerngruppen bessere Englischleistungen erzielt werden als in großen. „Damit ist den Behauptungen, die Klassengröße sei ohne Einfluss auf die Schülerleistungen, endlich empirisch der Boden entzogen,“ betonte die GEW-Schulexpertin.
Info: Laut Statistik steigt weniger als ein Prozent der Hauptschulabsolventen in die gymnasiale Oberstufe auf. Beispiel Niedersachsen: Die Durchlässigkeit zwischen Hauptschule und Gymnasium ist faktisch nicht gegeben, da nicht nur ein Notenschnitt von 2,0 verlangt wird, sondern auch eine zweite Fremdsprache (mit Note 2,0), die an Hauptschulen jedoch nicht unterrichtet wird.
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