GEW: Eltern sollen erneut zur Kasse gebeten werden

"Mit den vorgelegten Gesetzentwürfen will die Landesregierung gesetzlich absichern, dass finanzielle Verantwortungen auf Kommunen und Eltern abgeschoben und Lehrer zur Erledigung von Verwaltungsaufgaben verpflichtet werden!" Dieses Fazit zog der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Thüringen Jürgen Röhreich nach einer ersten Diskussion der Entwürfe zum Schulgesetz und zum Schulfinanzierungsgesetz. "Es geht nicht um Kinder oder Familienfreundlichkeit, sondern nur um das Geld", kritisierte der GEW-Vorsitzende. Auch die Kommunalisierung der Grundschulhorte soll gesetzlich verankert werden.

06.06.2007 Thüringen Pressemeldung GEW Thüringen

Schulbuchgebühr: Eltern noch mehr belastet

Das Kultusministerium behauptet, dass die 2004 bis 2006 übliche Zuwendungen von jährlich 8,3 Mill EUR für die Lernmittelfreiheit nicht mehr aufgewendet werden könnten. Eine Begründung wird dafür nicht gegeben. Dabei legt das Ministerium für 2008/2009 eine Gesamtschülerzahl von 182 000 zugrunde. Im Schuljahr 2003/2004 waren es 313 430 Schüler, und es gab noch keine Leihgebühr. Unklar bleibt, wieso das Land bei steigenden Einnahmen für weniger Schüler diese Summe nicht aufbringen kann. Legt man die Vorgaben des neuen Schulgesetzentwurfes zugrunde, dann müssen Eltern voraussichtlich ab 2008 ca. 6 EUR Leihgebühr pro Buch bezahlen. Bei 10 -14 Büchern, wie in den meisten Schuljahren üblich, kommen auf die Eltern dann 60 EUR bis 90 EUR zu. Auch Eltern von Grundschulkindern müssen bei der Ausleihe von ca. acht Büchern mit 48 EUR für die Ausleihe tiefer in die Taschen greifen. Diesmal sind keine Höchstgrenzen für die Gebühr gesetzt. Mit steigenden Preisen für die Schulbücher erhöht sich auch die Gebühr. "Das Kultusministerium handelt offensichtlich nach der Maxime: Wer uns kritisiert, muss dafür büßen". Die GEW lehnt die Schulbuchgebühr generell ab.

Mehr Zeit für Verwaltung, statt mehr Zeit für Kinder

Mit der Festlegung, dass Lehrer verpflichtet sind, auch über den Unterricht hinaus schulische Aufgaben zum Beispiel im Bereich der Lernmittelversorgung zu erledigen, werden zusätzliche Verwaltungsaufgaben auf die Lehrer abgeschoben und gesetzlich festgeschrieben. Das Kassieren der Lernmittelpauschale wird jedoch durch die Gesetzesänderung nach wie vor nicht zur Aufgabe von Lehrerinnen und Lehrern. Sie sind weder als "Bewerter" des sozialen Status von Eltern noch als Kassierer von Landesmitteln eingestellt. Also nicht "Mehr Zeit für Kinder", sondern "Mehr Zeit für Verwaltung".

Berechnung: "Je Schuljahr wird von den Eltern und volljährigen Schülern für die Nutzung jedes bereitgestellten Schulbuchs eine einheitliche Gebühr erhoben. Die Gebühr beträgt höchstens ein Drittel des durchschnittlichen Kaufpreises aller im Schulbuchkatalog aufgeführten Schulbücher."(Vgl. Gesetzentwurf)

Gesamtpreis aller 1760 Bücher im Schulbuchkatalog: 31093,62 EUR
Durchschnittlicher Preis pro Buch: 18,62 EUR
ein Drittel: 6,21 EUR.

Ansprechpartner

GEW Thüringen

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