GEW: "Vorlage aus Brüssel nutzen"
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Kultusminister der Bundesländer ermutigt, die Vorlage der europäischen Bildungsminister für ein längeres gemeinsames Lernen aller Kinder zu nutzen.
15.11.2006 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft"Die Bildungsminister haben in ihrem Beschluss vom Dienstag unmissverständlich auf die negativen Folgen der frühen Auslese von Kindern im Bildungsprozess hingewiesen. Die Kultusministerkonferenz (KMK) in Deutschland muss sich endlich in der Schulstrukturfrage bewegen und eine geordnete Debatte über die Risiken und Nachteile des gegliederten Schulsystems führen", sagte Marianne Demmer, Leiterin die GEW-Vorstandsbereichs Schule, am Mittwoch in Frankfurt a.M. "Wir müssen in Deutschland einen Weg finden, die frühe Selektion zu überwinden, ohne uns in sinnlosen Grabenkämpfen zu verausgaben. Die Überzeugung von der ´begabungsgerechten Förderung im bewährten gegliederten Schulwesen´ hat sich als Irrtum erwiesen." Wer das gemeinsame Lernen bis zum Ende der Pflichtschulzeit fordere, darf nicht länger als Ideologe diffamiert werden.
"Die Nachteile der frühen Auslese für die Chancengleichheit der Kinder sind mittlerweile in der nationalen und internationalen empirischen Forschung belegt. Das deutsche Schulsystem benachteiligt ausgerechnet die Kinder, die es bereits wegen ihre sozialen Herkunft oder Behinderungen besonders schwer haben", begründete Demmer die Position der GEW. Aber auch die Schüler aus privilegierten Elternhäusern profitierten nicht vom gegliederten Schulsystem, etwa durch im internationalen Vergleich bessere Lernergebnisse. "Wir dürfen die Augen nicht länger vor unangenehmen Wahrheiten verschließen."
Die Verfechter des traditionellen deutschen Schulwesens müssten zudem zur Kenntnis nehmen, dass sie in Europa isoliert sind. Die Folge sei, dass Deutschland in Bildungsfragen keine seiner Größe angemessene aktive Rolle spiele, sondern häufig "als Bremser" auftrete, betonte die GEW-Sprecherin: "Wir sollten uns nicht mit dem Platz des nicht ernst zu nehmenden Bildungszwergs zufrieden geben."
Keine Kommentare vorhanden