Gewaltpräventionsbericht 2009: Gewaltzahlen für Berlin rückläufig / "Erfolg, aber kein Grund zur Zufriedenheit"

Erstmals ist die Zahl der Gewaltmeldungen von Berliner Schulen rückläufig. Im Schuljahr 2007/08 sank die Zahl der gemeldeten Fälle im Vergleich zum Vorjahr um knapp 100 gemeldete Fälle, Dieser Rückgang auf jetzt 1632 gemeldete Gewaltvorfälle insgesamt bedeutet eine Verringerung um 6 %.

10.07.2009 Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Bildungssenator Prof. E. Jürgen Zöllner: "Einzelne gravierende Gewaltvorfälle sollen nicht übersehen lassen, dass an Berliner Schulen mit viel Engagement und Ideenreichtum ein großes Maß an Präventionsarbeit geleistet wird. Wenn es um Gewalt an Schulen geht, ist die Aussagekraft von Zahlen jedoch begrenzt. Steigende Meldezahlen bedeuteten in der Vergangenheit immer auch eine Aufhellung des Dunkelfeldes. Sinken die Zahlen jetzt erstmalig, ist das sicher auch ein Erfolg, aber kein Grund zur Zufriedenheit.

Dennoch, an Berlins Schulen hat sich eine Kultur des Hinsehens und des Tuns entwickelt. Einen Gewaltvorfall zu melden, bedeutet keine Stigmatisierung der meldenden Schule. Schulen stellen sich zunehmend und ohne Scheu diesem wichtigen Thema. Dies ist der eigentliche Erfolg der Geschichte des Gewaltpräventionsberichtes."

Wie in den vergangenen Jahren auch machen von den Schulen gemeldete "Körperverletzungen" mit über 50,9 % die Mehrzahl der Fälle aus, vor Meldungen zu "Bedrohungen" (310 Fälle, 19 %). Lehrerinnen und Lehrer sind in jedem fünften Fall Betroffene bzw. Opfer von Gewalt. Auch hierbei ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Die Fallzahlen liegen nach dem Spitzenwert von 2006/07 unter dem Niveau von 2005/06.

Neben der weitreichenden Verzahnung von Schulen mit Schulpsychologie, Polizei und Jugendhilfe sind im Schuljahr 2007/08 über 800 Lehrerinnen und Lehrer für Projekte des sozialen Lernens qualifiziert worden sowie 120 Mediatorinnen und Mediatoren und 60 sogenannte Standpunktepädagogen, die an Schulen sind gewaltpräventiv tätig sind. 400 Lehrkräfte haben an Fortbildungen zum Erwerb von Grundlagen und Methoden im Umgang mit aggressiv-verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen im Rahmen des Projekts "Denkzeit" teilgenommen.

Den vollständigen Bericht finden Sie unter www.berlin.de/sen/bildung/gewaltpraevention.

Eine erste Analyse für das laufende Schuljahr bestätigt den Trend sinkender Gewaltmeldezahlen weiter. So wurden im ersten Halbjahr 2008/09 739 Gewaltvorfälle gemeldet (Vorjahr:786).


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