Grünes Licht für Berg Fidel
(Brigitte Schumann) In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause hat der Rat der Stadt Münster mit den Stimmen von CDU, SPD und den Grünen gegen die Stimmen der FDP politisch grünes Licht für die Teilnahme am PRIMUS Modellversuch gegeben.
19.07.2013 ArtikelDie Verwaltung wurde beauftragt, den entsprechenden Antrag fristgerecht beim Schulministerium einzureichen. Die Genehmigung durch das Ministerium darf allerdings jetzt schon als gesichert gelten, da Ministerin Sylvia Löhrmann unlängst in einem Schreiben ihr persönliches Interesse an der Beteiligung von Berg Fidel bekundet hat. Ob die PRIMUS-Schule zum Schuljahr 2014/15 an den Start geht, hängt demnach allein von dem Erreichen der vereinbarten Mindestschülerzahl im Anmeldeverfahren ab. Für Klasse 1 müssen mindestens 50 und für Klasse 5 mindestens 75 Anmeldungen vorliegen.
Auf dem Weg zu dieser Entscheidung mussten allerdings wahrhaft "dicke Bretter" von der örtlichen Elterninitiative und den Grünen im Rat gebohrt werden, um bei Verwaltung und Politik in Münster das Interesse an dem Schulkonzept von Berg Fidel überhaupt erst einmal zu wecken. Etliche Hürden mussten überwunden werden, um die kommunalpolitischen Rahmenbedingungen, die Erfordernisse des Schulkonzeptes und die divergierenden Vorgaben des Schulministeriums für den Schulversuch miteinander in Einklang zu bringen. Dabei tauchten immer wieder berechtigte Zweifel auf, ob der politische Wille für die Realisierung bei Kommunal- und Landespolitik überhaupt vorausgesetzt werden kann. Unstrittig ist, dass der bundesweit bekannt gewordene Dokumentarfilm von Hella Wenders über Berg Fidel und die breite Unterstützung für das innovative pädagogische Konzept der Schule über Münster hinaus zu dieser einvernehmlichen politischen Entscheidung maßgeblich beigetragen haben.
Der Ratsbeschluss sieht mit der Errichtung der dreizügigen Modellschule PRIMUS an den Standorten der Grundschule Berg Fidel und der Hauptschule Geistschule die auslaufende Auflösung der bestehenden Schulen vor. Erst- und Fünftklässler haben zum Schuljahr 2014/15 erstmalig die Chance, die PRIMUS-Schule zu besuchen. Für alle derzeitigen Schülerinnen und Schüler der Grundschule Berg Fidel in den Klassen 1-3 gilt, dass sie ohne Bruch das gemeinsame Lernen nach dem Ende der Primarstufe fortsetzen können.
Jetzt kommt es darauf an, dass der Schulträger und die politisch Verantwortlichen im Rat die Vorzüge des durchgängigen gemeinsamen Lernens 1-10 öffentlich in die Elternschaft kommunizieren und sich vorbehaltlos für die Verwirklichung dieses bahnbrechenden Schulkonzeptes einsetzen. Immerhin geht es um nicht weniger als den Beleg zu liefern, dass mit PRIMUS nicht nur Bildungsgerechtigkeit hergestellt wird, sondern Schülerinnen und Schüler der PRIMUS-Schule auch bessere Schulleistungen erbringen als vergleichbare Schülerinnen und Schüler im herkömmlichen System. Für Schulleiter Dr. Reinhard Stähling steht das Ergebnis schon heute fest: "Alle Erkenntnisse weisen darauf hin, dass dieser Schultyp die Schule der Zukunft sein wird. Fast alle europäischen Länder machen es uns vor. Die Kinder schon nach vier Jahren auf die unterschiedlichen Schulformen der Sekundarstufe zu verteilen und voneinander zu trennen, ist ein überholtes Modell." Die Vision von Berg Fidel ist die Schule von 1-13. Wünschen wir uns, dass die Politik in Münster zu einem späteren Zeitpunkt davon überzeugt werden kann, dass mit einer eigenen Oberstufe die PRIMUS- Schule ihr pädagogisches Potential im Interesse von Schülern und Eltern noch besser ausschöpfen kann.
Zur Person
Dr. Brigitte Schumann war 16 Jahre Lehrerin an einem Gymnasium, zehn Jahre Bildungspolitikerin und Mitglied des Landtags von NRW. Der Titel ihrer Dissertation lautete: "Ich schäme mich ja so!" - Die Sonderschule für Lernbehinderte als "Schonraumfalle" (Bad Heilbrunn 2007). Derzeit ist Brigitte Schumann als Bildungsjournalistin tätig.
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