Grundschule - die beste Schule, die wir haben
Die heute in Berlin vorgestellten Ergebnisse der Iglu- und Tims-Studien belegen es erneut: "Die Grundschule ist die beste Schule, die wir haben." Für den Präsidenten des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, steht jedoch auch fest, dass Grundschulen mit großen Problemen zu kämpfen haben.
11.12.2012 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V."Die Lehrerinnen - meistens sind es Frauen - sind hoch engagiert, wenden moderne Unterrichtsmethoden an und versuchen, jedem Kind gerecht zu werden. Sie stoßen in ihren pädagogischen Bemühungen aber aufgrund der Ressourcenknappheit und struktureller Zwänge schnell an Grenzen." Die erneut nachgewiesene Ausgrenzung sozial benachteiligter Kinder und Kindern mit Migrationshintergrund bezeichnete er als beschämend. "Wir haben hier kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem." Offensichtlich werde es von Bildungspolitikern billigend in Kauf genommen, dass nicht alle Kinder partizipieren können. Die Ergebnisse der beiden Studien sollten trotz des guten Abschneidens zum Anlass genommen werden, eine professionelle Diskussion über die Weiterentwicklung der Grundschule in Gang zu setzen. In Bayern gehe die derzeit geführte Debatte am Kern vorbei: "Wir sollten uns nicht über mehr oder weniger Deutschunterricht oder das richtige Abziehverfahren den Kopf zerbrechen, sondern die Frage stellen, warum die an den Grundschulen erworbenen Kompetenzen im internationalen Vergleich hoch sind, an den weiterführenden Schulen jedoch abfallen."
Erneut hätten zwei Studien bewiesen, wie gut an den Grundschulen gearbeitet werde. Pädagogen - egal, welcher Schulart sie angehörten - sollten daher in einen konstruktiven Dialog treten, um voneinander zu profitieren. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung wäre es, Lerninhalte und Unterrichtsmethoden auf einander abzustimmen. Ziel müsse die Etablierung eines modernen und anspruchsvollen Lern- und Leistungsbegriffs an allen Schulen sein. "Das kann nur im professionellen und vorurteilsfreien Austausch gelingen", betonte Wenzel. Die derzeit ausgetragenen Scheingefechte in Bayern seien wenig hilfreich.
Bei aller Freude über das gute Abschneiden der Grundschulen dürfe nicht übersehen werden, dass viele Lehrkräfte täglich an ihre persönliche Belastungsgrenze gehen und wenig Unterstützung erfahren. "Leider gibt es auch an den Grundschulen ausgebrannte und erschöpfte Pädagogen", sagte Wenzel. Als besonders belastend würden die Zwänge empfunden, denen sie sich unterworfen fühlten. "Insbesondere der Übertrittsdruck und der damit einhergehende Leistungs- und Notendruck konterkarieren sämtliche pädagogischen Bemühungen und führen letztlich dazu, dass sich die Atmosphäre an den Schulen zunehmend verschlechtert. Obwohl die guten Ergebnisse erneut vor Augen führen, wie absurd die frühe Auslese von Kindern nach nur vier Grundschuljahren ist, ziehen Schul- und Bildungspolitiker nicht die erforderlichen Konsequenzen daraus", kritisierte Wenzel. Profitierten Grundschüler von der Vielfalt ihrer Mitschüler sowie von modernen Lern- und Unterichtsmethoden, sei damit Schluss, wenn sie in eine weiterführende Schule wechseln müssten, wo sich die Situation schlagartig ändere und Leistungen deutlich unter internationale Vergleichsmaßstäbe fallen würden.
Beschämend und unverantworltich sei es, dass Bildungsbiografien immer noch entscheidend abhängig sind von der Herkunft und dem Einkommen der Eltern. "Obwohl der Sachverhalt seit vielen Jahren bekannt ist und regelmäßig von wissenschaftlichen Studien bestätigt wird, geschieht auch hier viel zu wenig", monierte Wenzel und forderte, Grundschulen massiv zu stärken: "Es braucht neben einem neuen Lern- und Leistungsverständis und dem Aufbrechen überalteter Strukturen vor allem Ressourcen, die es Lehrkräften erlauben, das zu tun, was sie am liebsten tun möchten: Ihre Schüler bestmöglich zu fördern, unabhängig von ihrer Herkunft und Sozialisierung." Dies müsse zur Folge haben, dass der Sortierauftrag von einem Intergrationsauftrag abgelöst werde. Nur so könnten möglichst vielen Kindern Zugänge zu möglichst hohen Abschlüssen ermöglicht werden.
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