In den Ferien nicht nur rumhängen!
(bikl.de) Schüler müssen das Lernen lernen. Dafür brauchen sie das passende Handwerkszeug und das heißt "Methodenkompetenz". Die reicht von solch profanen Techniken wie dem Markieren von Texten über die effektive Vorbereitung von Klassenarbeiten bis hin zum regelgebundenen Arbeiten in Gruppen oder zur gekonnten Präsentation von Arbeitsergebnissen. bildungsklick.de wollte von dem bekannten Methodiker und Unterrichtsreformer Dr. Heinz Klippert wissen, wie Schüler solche Kompetenzen auch beim Lernen zu Hause - etwa in den Ferien - nutzen können.
09.07.2007 ArtikelHerr Klippert, im Unterricht lassen sich viele Methoden anwenden, die das Lernen fördern; welche davon können Schüler speziell in ihrer Freizeit, etwa zu Hause oder im Urlaub nutzen, damit es mit dem Lernen auch in der Schule besser klappt?
Heinz Klippert: Wenn sich die Schüler während der Ferien aktiv und kreativ entspannen, dann ist das bereits eine der Methoden, mit denen sich erfolgreiches Lernen unterstützen lässt. Entspannung und Regeneration beleben Geist und Körper. Allerdings: Nicht nur rumhängen, sondern z.B. Spiele erfinden, Aktionen planen, Sport treiben, Tagebuch schreiben, Mindmaps und Zeichnungen zu irgendwelchen Ereignissen anfertigen, Events organisieren, Bücher lesen, Briefe schreiben, im Internet recherchieren, Wissens- und Memoriespiele durchführen, mit anderen Jugendlichen brisante Themen diskutieren, gemeinsam Probleme lösen - das alles ist praktisches Methoden- und Gehirntraining im besten Sinne des Wortes. Natürlich kann man das Methodenlernen auch noch systematischer angehen, indem man z.B. Wochenpläne zur Übung bestimmter Arbeitstechniken erstellt und umsetzt. Das beginnt beim Erstellen von Mindmaps, Spickzetteln und Schaubildern und reicht über das Schreiben von Karteikarten, Gliederungen und eigenen Texten bis hin zum Üben von Vorträgen und Diskussionen im "Selbstversuch". Wichtig ist nur, dass das planvolle eigenverantwortliche Arbeiten nicht völlig verlernt wird. Gegen dieses Verlernen gibt es z.B. auch spezielle Ferienseminare, die Freizeit, Spiel, Spaß und ganz praktisches Methodenlernen miteinander verbinden.
Kinder nicht zum Üben verdonnern
Welche Rolle können dabei die Eltern spielen? Sollten sie ihre Kinder zu planvoller Übungsarbeit anhalten?
Heinz Klippert: Die Frage ist, was Sie unter "anhalten" verstehen. Ich halte es für wenig ratsam, dass Eltern ihre Kinder zu bestimmten Übungsprogrammen verdonnern. Druck hat noch selten Motivation, Konzentration und Nachhaltigkeit bewirkt, sondern eher Konflikte und Ausweichmanöver provoziert. Stattdessen sollten Eltern das Gespräch mit ihren Kindern suchen und ganz offen darüber reden, wie deren Freizeit- und Lernplanung ausschaut und welchen fachlichen und methodischen Übungsbedarf sie für sich sehen. Wichtig ist, dass die Kinder selbst Problembewusstsein entwickeln und persönliche Vorsätze fassen, was sie wann in welcher Weise üben möchten. Bei dieser Meinungsbildung können die Eltern beraten, steuern, ermutigen und nicht zuletzt auch die eine oder andere Methodenhandreichung zur Verfügung stellen. Druck sollten sie dagegen so weit wie möglich vermeiden. Natürlich können Eltern auch dadurch als Lernhelfer tätig werden, dass sie ihren Kindern konkrete Möglichkeiten eröffnen, ihre Ferien- bzw. Freizeit aktiv und kreativ zu gestalten.
Fordern statt Überbehüten
Gibt es besondere Methoden, die Sie Grundschülern empfehlen?
Heinz Klippert: Die Besonderheit bei Grundschülern ist, dass sie sehr elementare Methoden einüben und erlernen müssen. Das beginnt bei einfachen Ordnungstechniken wie Ranzen packen, Arbeitsblätter lochen, Sachen abheften, Aufgabenheft führen, Hausheft gestalten und Lernkartei anlegen über das verständnisvolle Lesen, Nachschlagen und Markieren von Informationen bis hin zum Erstellen von Tages- und Wochenplänen oder zum Zuhören und freien Reden in Gesprächssituationen. Viele dieser Methoden können und müssen zu Hause gefestigt werden, indem die Eltern z.B. entsprechende Aufgaben stellen, Arbeitshefte einsetzen oder bestimmte Regeln und Rituale einfordern. Diese elterliche Unterstützung scheitert häufig allerdings daran, dass die Eltern ihren Kindern zu wenig zumuten und zutrauen. Sie machen es lieber selbst, anstatt die Kinder in die Pflicht zu nehmen und selbstständig probieren zu lassen. Diese Bevormundung und Überbehütung verhindert die Entwicklung nachhaltiger Lern- und Methodenkompetenz. Sie abzubauen, wäre ein wichtiger Beitrag zur Lernförderung - während der Ferienzeit genauso wie während der Schulzeit.
Zur Person:
Dr. Heinz Klippert, Jg. 1948, Dr. rer.pol.; Diplom-Ökonom; Lehrerausbildung und Lehrertätigkeit in Hessen; seit 1977 Dozent am Lehrerfortbildungsinstitut der evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz (EFWI) mit Sitz in Landau. Trainer, Berater und Ausbilder in Sachen "Pädagogische Schulentwicklung". Zahlreiche Veröffentlichungen zum Arbeitsfeld ´Schul- und Unterrichtsentwicklung´, zum handlungsorientierten Unterricht sowie zum Methoden-, Kommunikations- und Teamtraining mit Schülerinnen und Schülern. Zuletzt bei Beltz erschienen: Lehrerentlastung. Strategien zur wirksamen Arbeitserleichterung in Schule und Unterricht. Unter dem Label "Klippert bei Klett" bietet der Ernst-Klett-Verlag ab Juli 2007 bewährte Schüler- und Lehrerhefte zu ausgewählten Fächern und Kernthemen der Sekundarstufe I sowie der Grundschule an. Im Sekundarbereich sind das die Fächer Mathematik, Englisch und Deutsch; in der Primarstufe die Fächer Sachunterricht, Deutsch und Mathematik.
Weiterführende Links
- EFWI: Dr. Heinz Klippert
Keine Kommentare vorhanden