Wiederbelebungskurs

In der Schule Lebensrettung lernen

(red) Was als Pilotprojekt in Mecklenburg-Vorpommern begann, könnte bald zum Unterrichtsangebot in den Schulen bundesweit gehören: Ein Wiederbelebungskurs für Siebtklässler.

24.07.2014 Artikel

In den vergangenen Jahren sind in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 43.000 Schüler zu Lebensrettern ausgebildet worden. innerhalb von einer Woche lernten sie, wie man einen Herz-Kreislauf-Stillstand erkennt, einen Notruf absetzt und Herz-Lungen-Wiederbelebung effektiv durchführt. Dafür wurden mehr als 300 Lehrer als Wiederbelebungsausbilder qualifiziert.

Zuvor waren Forscher des Universitätsklinikums Rostock zu alarmierenden Ergebnissen gekommen: Etwa jedem fünften Schüler in Deutschland ist die Notrufnummer "112" nicht bekannt. Danach testeten die Forscher rund 1.000 Schüler aller Altersgruppen, ob sie in der Lage wären, einen Erwachsenen leitliniengerecht wiederzubeleben. Das Ergebnis: Nach Anleitung und unter Anwendung der korrekten Technik konnten 99 Prozent der Siebtklässler (etwa 13 Jahre) alle Wiederbelebungsmaßnahmen erfolgreich durchführen. Die Wissenschaftler kamen damit zu dem Schluss, dass es Schülern in dieser Altersgruppe problemlos möglich ist, im Schulunterricht Maßnahmen der Wiederbelebung theoretisch und praktisch zu erlernen.

Dr. Gernot Rücker, Leiter der Forschungsgruppe Notfallmedizin und der Rostocker Simulationsanlage und Notfallausbildungszentrum (RoSaNa) , der die Studie durchgeführt hat, plädiert daher seit langem für eine feste Verankerung praktischer Übungen der Wiederbelebung im Unterricht: "Würden Wiederbelebungsmaßnahmen fest im Lehrplan des schulischen Unterrichtes integriert, so könnten pro Jahr über 5.000 Menschen zusätzlich gerettet werden. Dies entspricht der Zahl aller jährlichen Straßenverkehrstoten in Deutschland." Angesichts einer Handy-Besitzrate von über 90 Prozent bei 12- bis 19-Jährigen wären die Schüler in der Lage, neben der Übernahme der Erstversorgung auch einen korrekten Notruf abzusetzen. Der Notfallmediziner empfiehlt daher, den Unterricht in Wiederbelebung verbindlich in die Lehrpläne aller Schultypen aufzunehmen.

Dies könnte bald Realität werden, denn die Kultusministerkonferenz hat den Ländern empfohlen, ab der siebten Klasse dafür zwei Schulstunden pro Jahr vorzusehen.


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