Inklusion: Das große schulpolitische Ziel wird verfehlt
Elternvereine in Nordrhein-Westfalen reagieren mit großer Enttäuschung auf den rot-grünen Antrag mit Eckpunkten für die schulische Inklusion, der morgen im Landtag auf der Tagesordnung steht.
13.03.2012 Pressemeldung Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Gemeinsam leben – gemeinsam lernen e.V."Das große Ziel, ein inklusives Bildungssystem aufzubauen, ist auf diesem Weg nicht zu erreichen", urteilt Bernd Kochanek, Vorsitzender der LAG Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen NRW. Die Schritte passen nicht zum Ziel. Ein selbstverständliches gemeinsames Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung wird man so nicht schaffen.
Die Eltern bemängeln, dass in dem Antrag
- kein ausreichendes pädagogisches Startpersonal für den schwierigen Übergang vom Sonderschulsystem zum inklusiven System vorgesehen ist und der Lehrermangel erst über die Jahre und allein mit der sogenannten demografischen Rendite aufgefangen werden soll,
- die Frage, wie viele Schulen überhaupt für Schüler mit Behinderung geöffnet werden, wieder einmal dem Belieben der Kommunen überlassen wird,
- konkrete Zielmarken für den Anteil inklusiver Beschulung und den Abbau der Sonderschulen völlig vermieden werden,
- der individuelle Rechtsanspruch auf inklusive Bildung, wie ihn die UN-Behindertenrechtskonvention statuiert, nun doch mit Ausnahmeregelungen verwässert und zudem nur "aufwachsend" vom 1. und 5. Schuljahr an eingeführt werden soll.
Letzteres bedeutet, dass Kinder, die heute neun Jahre oder älter sind, offenbar gar keinen Rechtsanspruch auf Inklusion mehr bekommen werden. "Wir raten allen betroffenen Schülern in NRW dringend, mit einem Wechsel aus der Förderschule an eine Regelschule nicht länger zu warten und jetzt sofort einen Antrag auf Gemeinsamen Unterricht zu stellen", sagt Eva-Maria Thoms vom Elternverein mittendrin e.V..
"Diese Eckpunkte lassen befürchten, dass von der Inklusion nicht mehr bleibt als Integration für Teilgruppen, und das auch noch als Sparmodell", kritisiert Ingrid Gerber, Vorsitzende von Gemeinsam leben – gemeinsam lernen Bonn e.V. "Am Ende werden die Schüler mit körperlichen, geistigen und Sinnesbehinderungen, für die die UN-Konvention eigentlich gemacht ist, wieder einmal den Kürzeren ziehen, wenn es darum geht, dass sie ihr Recht auf inklusive Bildung wahrnehmen wollen. Und wie immer schon wird das an den mangelnden Ressourcen festgemacht werden".
Die Elternvereine fordern die Landesregierung auf, zur Inklusionspolitik ihrer Wahlprogramme und des Koalitionsvertrages zurückzukehren. "Wenn diese Regierung Inklusion will, dann ist das hasenfüßige Vorgehen nicht mehr zu verstehen", wundert sich Eva-Maria Thoms vom mittendrin e.V., "zumal auch die CDU als größte Oppositionsfraktion im Landtag den Wandel zur Inklusion aktiv einfordert und die Landesregierung an diesem Punkt sogar auffordert, dafür pro Jahr 30 Millionen Euro mehr auszugeben".
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