Inklusion: Gründlichkeit und Nachhaltigkeit statt übertriebener Hast
Für überfällig und richtig befand es der DPhV-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger, dass in der heute vorgelegten Studie von Prof. Klemm im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung der Versuch unternommen werde, das Investitionsvolumen zu beziffern, das durch das Inkrafttreten der UN-Behindertenkonvention in Deutschland notwendig werde.
23.03.2012 Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)"Inklusion ist nicht zum Nulltarif zu haben und schon gar nicht ein Sparmodell", sagte der Verbandsvorsitzende in Berlin. Man müsse alles tun, damit mehr behinderten Kindern als bisher der Weg an Grund- und weiterführende Schulen ermöglicht werden könne.
Allerdings kritisierte er die Grundannahme der Studie. Die UN-Konvention sage nichts über die Art und Weise aus, wie die Inklusion schulorganisatorisch umgesetzt werde. Die in der Studie enthaltene Behauptung, Förderschulen müssten im Zuge der Inklusion verschwinden, sei durch den Vertragstext nicht gedeckt. Auch Inklusionsmusterländer wie etwa Finnland setzten auf verschiedene Wege der Inklusion. Dazu gehörten die Integration in Regelschulen genauso wie zeitweise Differenzierung in Einzelgruppen, Spezialklassen und nach wie vor hochspezialisierte Förderzentren.
Meidinger erklärte: "Die Höhe der Inklusionsquote sagt für sich noch überhaupt nichts aus über die Qualität der inklusiven Beschulung. Italien hat beispielsweise ein hohe Inklusionsquote, aber eine nachweislich schlechtere Förderung behinderter Kinder als Deutschland."
Sorgfalt, Gründlichkeit und Nachhaltigkeit müssten Vorrang vor Schnelligkeit haben, sagte er und mahnte auch an, dass die Umsetzung des Inklusionsgedankens nicht dazu führen dürfe, dass für alle anderen dringend notwendigen Schulreformen kein Geld mehr da sei. "Nötig sind zusätzliche Mittel, diese Herausforderung ist nicht durch bloße Umschichtungen innerhalb der Schuletats zu stemmen!", betonte Meidinger.
In diesem Zusammenhang kritisierte der Philologenverbandsvorsitzende heftig die Behauptung des Auftragsgebers der Studie, Jörg Dräger, die Förderschulen in Deutschland hätten versagt und sich als Isolationsfalle entpuppt. "Dies ist eine Negierung des Willens zahlreicher Eltern, die ihre Kinder bewusst wegen der Förderungsmöglichkeiten an diese Schulen schickten, und eine Missachtung der mühsamen Arbeit enorm engagierter Lehrkräfte an Förderschulen!"
Für die Gymnasien bekräftigte Meidinger die Absicht seines Verbandes, diese Herausforderung der Inklusion offensiv anzunehmen. Die in Studien mehrfach festgestellte hohe Sozialkompetenz von Gymnasiasten biete eine günstige Voraussetzung für gelingende Inklusionsprozesse.
Berlin, den 23. März 2012
Eva Hertzfeldt Pressesprecherin
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