Jungen aus dem Abseits holen

Die Jungen sind ins Abseits geraten – jedenfalls in der Schule. Ein statistischer Vergleich zeigt: Jungen haben im Schnitt schlechtere Schulabschlüsse als Mädchen, brechen häufiger die Schule ab und sind daher öfter von Jugendarbeitslosigkeit betroffen. Diese Situation beeinträchtigt nicht nur die beruflichen Perspektiven der Betroffenen, sie führt auch zu höheren gesellschaftlichen Kosten z.B. durch Sozialausgaben.

07.09.2007 Pressemeldung DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag

Das "männliche" Abseits in Zahlen (2006):

Zehn Prozent der Jungen verlassen die Schule ohne Abschluss, aber nur sechs Prozent der Mädchen. 28 Prozent der Jungen schaffen nur den Hauptschulabschluss, gegenüber 21 Prozent der Mädchen. Bei den Realschulabschlüssen kehrt sich das Verhältnis um: 40 Prozent der Jungen und 43 Prozent der Mädchen erreichen diesen Abschluss. Nur 22 Prozent der Jungen, aber fast 30 Prozent der Mädchen erreichen die Hochschulreife. Auch unter den Sitzenbleibern sind mehr Jungen (58 %), zudem fallen ihre Zensuren im Durchschnitt um eine ganz Note schlechter aus als die der Mädchen. Diese Ergebnisse spiegeln sich in der Jugendarbeitslosigkeit wider: 57 Prozent der Arbeitslosen unter 25 Jahren sind männlich.

Was sind die Ursachen?

Zuviel Medienkonsum lenkt ab

Männliche Schüler "interessieren" sich weniger für Schule und mehr für digitale Medien als Mädchen: 18 Prozent der 15-jährigen Jungen, aber nur 13 Prozent der gleichaltrigen Mädchen verbringen mehr als vier Stunden pro Tag mit PC-Spielen, Fernsehen und Internet. Berücksichtigt man die Ferien und die Wochenenden, verbringen zwei Drittel der Jungen mehr Zeit zu Hause vor dem Fernseher oder vor dem Computer als mit Lernen.

In Familie und Schule fehlen männliche Bezugspersonen

Innerhalb von 20 Jahren sank der Anteil männlicher Grundschullehrer von 50 auf 15 Prozent. Aber auch in den weiterführenden Schulen gibt es inzwischen überwiegend Lehrerinnen. Für manche Kinder – z.B., wenn sie bei ihrer alleinerziehenden Mutter leben, – bedeutet dies, dass sie bis zu ihrem zehnten oder zwölften Lebensjahr keine feste männliche Bezugsperson kennen. Für Jungen sind aber männliche Vorbilder wichtig.

Folgen: steigende Probleme beim Übergang in Ausbildung und Beruf:

Ohne Schulabschluss und mit schlechten Noten ist der Weg in qualifizierte Berufe für einen Großteil der Jungen verbaut. In der Wissensgesellschaft verlieren einfache Berufe an Bedeutung. Ihr Anteil an der Gesamtheit der Lehrverträge sinkt seit Jahren – parallel zum Bedeutungszuwachs neuer Dienstleistungsberufe. Gerade in diesen sind die Qualifikationsanforderungen deutlich gestiegen. Beispiel: Der frühere Kfz-Mechaniker, beliebtester Beruf der Jungen, ist heute ein Kfz-Mechatroniker mit einer hochqualifizierten Ausbildung. Wer in den Fächern Mathematik, Physik und Chemie nicht mindestens befriedigende Leistungen vorweisen kann, wird die Anforderungen in der Lehre kaum bewältigen können.

DIHK-Forderungen:

  1. Um den Männeranteil in den Schulen zu erhöhen, sind männliche Lehramtsbewerber bei gleicher Eignung bevorzugt einzustellen. Die Kultusminister sollten gezielt um junge Männer für den Lehrerberuf werben.
  2. Didaktische Konzepte, die speziell auf das Lernverhalten von Jungen zugeschnitten sind, bereichern die Methodenvielfalt des Unterrichts. Die Lehrerbildung muss sich darauf einstellen.
  3. Schulen müssen verstärkt auf individuelle Förderung und die Herausbildung selbstständigen Lernens setzen. Das verbessert die Lernergebnisse von Jungen und Mädchen gleichermaßen.

Ansprechpartnerin: Berit Heintz, DIHK Berlin, Telefon 030 / 20308 – 2513


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