Landesgymnasium für Hochbegabte offiziell eingeweiht
Kultusministerin Dr. Annette Schavan hat das Landesgymnasium für Hochbegabte (LGH) in Schwäbisch Gmünd am Donnerstag (23. Juni) offiziell eingeweiht. Von der Kombination aus Schule, Internat und Kompetenzzentrum erwartet Schavan "Impulse für die Hochbegabtenförderung in ganz Baden-Württemberg". Mit der Gründung des Landesgymnasiums sei die Hochbegabtenförderung noch nicht abgeschlossen. Die Ministerin kündigte an, dass zum Schuljahr 2006/07 an ausgewählten Standorten im Land Hochbegabtenzüge an Gymnasien eingerichtet werden.
23.06.2005 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergHinter dem Landesgymnasium für Hochbegabte steht nach den Worten Schavans "ein hoch modernes, zukunftsweisendes und ganzheitliches Bildungs- und Erziehungskonzept". Die Schülerinnen und Schüler würden nicht nur intellektuell gefördert. "Die jungen Menschen entwickeln soziale Kompetenz und Kreativität, sie beweisen Selbstständigkeit und überdurchschnittliche Arbeits- und Planungsfähigkeit." Zu den Zusatzangeboten gehören deshalb nicht nur Altgriechisch, Philosophie oder Chinesisch, sondern auch Sport und Orchester, Chor und Theater sowie die praktische Arbeit im Schulgarten, in der Schulküche und in sozialen Einrichtungen der Stadt Schwäbisch Gmünd.
"In dieser pädagogischen Konzeption verbinden sich Exzellenzförderung, Modernität und Weltoffenheit mit kultureller Tradition und Werteorientierung", so die Ministerin. Ziel der Hochbegabtenförderung sei es nicht, Eliten heranzubilden, die lediglich in einem Fachgebiet herausragen. "Wir brauchen junge Menschen, die ihre herausragenden Begabungen mit einem Gespür für gesellschaftliche Verantwortung verbinden und sich für das Gemeinwohl engagieren", betonte Schavan.
Ab Schuljahr 2006/07 Hochbegabtenzüge an mehreren Gymnasien im Land
Mit der Gründung des Landesgymnasiums sei die Hochbegabtenförderung in Baden-Württemberg noch nicht abgeschlossen. Die Ministerin kündigte an, dass zum Schuljahr 2006/2007 an ausgewählten Standorten des Landes Hochbegabtenzüge an Gymnasien eingerichtet werden. Diese Hochbegabtenzüge sollen einem gemeinsamen Strukturmodell folgen, das ein schnelleres Durchlaufen des schulischen Curriculums mit Zusatzangeboten verbindet. "Künftig können Eltern hoch begabter Kinder in ihrem Landesteil auf schulische Angebote zurückgreifen, die sich durch Kompetenz auf dem Gebiet der Hochbegabtenförderung ausweisen", sagte Schavan. Die Ministerin kritisierte in diesem Zusammenhang die Auffassung, dass hoch begabte Kinder und Jugendliche bereits von Natur aus bevorzugt seien und deshalb keine besonderen Förderangebote benötigten. Eine Hochbegabung anzunehmen und in eine stimmige Gesamtpersönlichkeit zu integrieren sei eine besondere Herausforderung für die betroffenen Kinder und deren Eltern. "Alle Schulen müssen deshalb ein Gespür dafür entwickeln, Hochbegabung zu erkennen und junge Menschen so zu begleiten, dass ihre besonderen Talente gefördert werden", hob die Ministerin hervor. Die Humanität und die Leistungsfähigkeit eines modernen Bildungswesens entscheide sich daran, "dass wir Kindern und Jugendlichen, die herausragende Begabungen haben, ebenso gerecht werden müssen wie jenen, die sich schwer tun".
Hochbegabtenförderung begann in Baden-Württemberg bereits vor 20 Jahren
Schavan bezeichnete die Gründung des Landesgymnasiums für Hochbegabte als "Meilenstein" einer Entwicklung, die bereits vor zwanzig Jahren ihren Anfang genommen habe. Zum Schuljahr 1984/85 seien erstmals in Baden-Württemberg Arbeitsgemeinschaften hoch begabter Kinder und Jugendlicher in den verschiedenen Schularten eingerichtet worden.
Darauf folgte später die Gründung von Kinder- und Jugendakademien sowie des Schülerforschungszentrums Bad Saulgau. Die dritte Phase ist jetzt geprägt durch die Einrichtung von Hochbegabtengymnasien. Die Ministerin verwies darauf, dass mit Beginn des laufenden Schuljahres 2004/05 nicht nur das Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd seine Arbeit aufgenommen hat. Mit dem Leonardo da Vinci Gymnasium eröffnete in Neckargemünd ein Hochbegabtengymnasium in privater Trägerschaft und am Salvator-Kolleg in Bad Wurzach wurde ein Hochbegabtenzug eingerichtet. "Diese drei Gymnasien können mit ihren Erfahrungen vielen anderen Schulen helfen, eigene Akzente zu setzen", ist sich Schavan sicher.
Startschuss für das LGH im Dezember 2002
Der Ministerrat hatte im Dezember 2002 beschlossen, in Schwäbisch Gmünd ein Landesgymnasium für Hochbegabte mit Internat und Kompetenzzentrum auf dem Gelände der ehemaligen "University of Maryland" zu errichten. Träger des Gymnasiums und des Internats ist ein Schulverband aus der Stadt Schwäbisch Gmünd und dem Ostalbkreis. Das Landesgymnasium hat zum laufenden Schuljahr 2004/05 den Betrieb mit insgesamt 44 Schülerinnen und Schülern in einer siebten und zehnten Klasse aufgenommen. Im zweizügigen Endausbau werden das Landesgymnasium mindestens 240 Schülerinnen und Schüler von siebten bis zur zwölften Klasse besuchen. Die Zuschüsse für den Aufbau des ersten Zuges belaufen sich auf insgesamt 14,9 Millionen Euro. Die Mittel stammen aus der Zukunftsoffensive III des Landes, dem Schulhausbauprogramm des Landes sowie aus dem Programm "Zukunft Bildung und Betreuung" des Bundes. Die Einrichtung der Zweizügigkeit ist bereits vom Ministerrat beschlossen. Schule und Internat bilden am Landesgymnasium eine pädagogische Einheit. Der Besuch des Internats ist für die Schülerinnen und Schüler verbindlich. Die Kosten für die Unterbringung und Verpflegung betragen monatlich rund 420 Euro. Bei Bedarf ist eine finanzielle Unterstützung vorgesehen. Dem Landesgymnasium ist ein Kompetenzzentrum für Fragen der Hochbegabung angegliedert, das bei der Auswahl der Schülerinnen und Schüler mitwirkt und für die Beratung der Eltern und Lehrkräfte zuständig ist.
Keine Kommentare vorhanden