Lernen (fast) ohne Lehrer

(bikl) - Die Kantonsschule Zürcher Oberland wagt seit zwei Jahren ein mutiges Experiment. Die Schüler lernen ein halbes Jahr lang ohne Lehrer. Was viele überrascht: Die Erfahrungen sind fast durchweg positiv. Das berichtet DIE ZEIT in ihrer aktuellen Ausgabe.

03.05.2006 Artikel
  • © kzo.ch

In Deutsch, Mathematik, Chemie, Biologie,Sport und zwei Sprachen müssen sich die fünften Gymnasialklassen (die elften nach deutscher Zählweise) das Wissen ein halbes Jahr lang weitgehend selbst beibringen. Zum Schuljahresbeginn werden sie mit dem Lernstoff für das ganze Halbjahr versorgt. Einmal die Woche dürfen sie pro Fach eine Stunde lang Fragen stellen und Nachhilfe einholen. Die Schüler arbeiten für sich zu Hause oder mit Mitschülern in einem leeren Klassenraum, sie büffeln Englischvokabeln im Schwimmbad oder verbringen ihre Sportstunde im Wald.

Schüler werden selbstbewusster

Zu Beginn erschien die Idee vielen als zu radikal. Doch insgesamt sind die Noten besser geworden, die Teilnehmer selbstbewusster. Die Zahl der Sitzenbleiber blieb gleich.

„Die guten Schüler profitieren vom Selbstlernsemester am stärksten“, wird der Deutschlehrer zitiert. Aber auch schwächere Schüler hätten die Literatur entdeckt: „Richtig ans Herz gewachsen ist denen ihr Buch. So etwas erreiche ich im normalen Unterricht nicht.“

Nachahmenswert

"Enorme Fortschritte" attestierte eine externe Evaluation den Jugendlichen. "Erwerb von Selbstlernfähigkeiten". Gerade deshalb hält Jürgen Oelkers, Pädagogikprofessor der Universität Zürich, die Experimente für nachahmenswert, um auch deutsche Schüler besser auf die Universität vorzubereiten. Rechtliche Hindernisse ließen sich seiner Meinung nach aus dem Weg räumen. "Nirgendwo steht geschrieben, dass Unterricht ständig die Anwesenheit einer Lehrkraft verlangt."

Das Schweizer Experiment entstand allerdings nicht in erster Linie aus pädagogischen Überlegungen sondern aus dem Zwang zum Sparen. Denn die Schule muss ihren Etat um rund 900 000 Franken reduzieren. In dieser Hinsicht jedoch war der Schulversuch weniger erfolgreich. Weil die Lehrer nicht weniger Arbeit hatten als vorher , blieb der Spareffekt minimal. Mehr Leistung für weniger Geld – dieses Wunder von Wetzikon blieb aus, heißt es in dem Bericht.

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DIE ZEIT
Kantonsschule Zürcher Oberland


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